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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 24. August 2018

Nachlässe: Der Heimat verbunden

 

Bürger bedenken die Stadt in ihrem Testament / Meist zweckgebundenes Engagement der Nachlassgeber

Die Stadt wird immer wieder in Testamenten bedacht. „Stadtgeburtstag oder Heimattage haben zuletzt sicher Denkanstöße gegeben, sich intensiv mit dem besonderen Wert der Heimat zu beschäftigen“, sagte OB Dr. Frank Mentrup am Dienstag vor den Medien.

Zusammen mit Stadtkämmerer Torsten Dollinger war ihm Anliegen, in die Öffentlichkeit zu tragen, mit welchen gemeinwohlorientierten Vorhaben Menschen Bleibendes für kommende Generationen schaffen.

Seit 1991 wurde die Stadt über 37 Nachlässe mit Summen zwischen kleineren Tausendbeträgen bis hin zu über 1,2 Millionen Euro bedacht. Allein von 2010 bis heute waren es 21 Nachlässe mit zusammen rund neun Millionen Euro. Insbesondere für Soziales wollten die Nachlassgeber ihr Vermögen eingesetzt wissen, erklärte Dollinger. Oft soll es auch dem Zoo oder einem Friedhof zugute kommen. Nicht selten ginge es um mehrere Verteilbeträge – so würden per Testament etwa entfernt lebende Verwandte bedacht und darüber hinaus die Stadt Karlsruhe, informierte Mentrup. „Mir zeigt dies, dass der Nachlassgeber in seiner Heimatstadt präsent sein möchte. Wir haben uns daher überlegt, wie wir dies in der Öffentlichkeit noch mehr würdigen können.“

Zusammengeführt in der Stadtkämmerei kümmere sich daher unter dem Motto „Bleibendes Schaffen für kommende Generationen“ ein Team um Spenden, (Zu)-Stiftungen und Nachlässe zugunsten der Stadt. Dollinger: „Dieses versteht sich auch als Anlaufstelle.“

Zu den 37 Nachlässen hätten bislang drei Personen vorher den Kontakt zur Stadt gesucht. „Für die Stadt ist es eine riesige Chance, die potenziellen Nachlassgeber zu Lebzeiten kennenzulernen und deren Herzenswunsch passgenau umzusetzen“, betonte der OB: „Das besondere Engagement für die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt wollen wir künftig mit einer schlichten Tafel an allen aus Nachlässen finanzierten Objekten würdigen.“

Auf Eva Graber gehen barrierefreie Wohnungen zurück, die nun seit 15 Jahren an Menschen mit Behinderungen vermietet werden. In einer Wohnung in der Nordstadt lebt in einer Vierer-Wohngemeinschaft seit zehn Jahren Dominik Engelhardt, bei Unterstützung durch die Reha-Südwest gGmbH Karlsruhe. „Zwar gefangen im eigenen Körper“ fühle er sich dort dennoch frei, erzählt der 27-jährige, der seit der Geburt motorisch eingeschränkt ist und für die Kommunikation einen mit dem Kopf steuerbaren Sprachcomputer nutzt. Froh sei er über diese Wohnform, „eine wirkliche Alternative dazu gibt es für mich derzeit nicht“.

Mit Nachlässen Bleibendes geschaffen

Eva Graber hat durch die von ihrem Nachlass gekauften behindertengerechten Wohnungen Bleibendes geschaffen. Elfriede und Helmut Morlock haben die Kinderturnwelten im Zoologischen Stadtgarten mit 200000 Euro unterstützt. Auch die Einrichtung des Info-Centers am Hauptfriedhof profitierte von Nachlässen, gleiches gilt für die Altenhilfe durch die Stifter Veronika und Dr. Walter Burkart. Insgesamt 2,1 Millionen Euro haben zudem vier Frauen und ein Ehepaar der Stadt vermacht:  Gertrud Patz per Zustiftung zu den Vereinigten Stiftungen der Stadt Karlsruhe für mildtätige Zwecke, Rosa Laschkewytsch wollte Sehbehinderte und Waisenkinder bedacht wissen. Für Kindergärten gedacht ist der Nachlass von Edith und Gerhard Heß, der von Erna Jülle für den Zoo Karlsruhe. Elfriede Elzemann begünstigte ein Altersheim.

Mehr Info auf karlsruhe.de/bleibendes-schaffen. Das Team Spenden und Nachlässe ist im Rathaus am Marktplatz sowie per E-Mail (stk@karlsruhe.de) und Telefon (133-2299) erreichbar. -rie-

 
 

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