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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 24. August 2018

ZKM: Karlsruher Geschichte(n) zur NS-Zeit modern erfahrbar machen

DAS SCHICKSAL von Intendant Waag, dem sich Maria Pak annahm, ist ein Beispiel der laufenden NS-Schüler-Schau im ZKM. Foto: Homberg

DAS SCHICKSAL von Intendant Waag, dem sich Maria Pak annahm, ist ein Beispiel der laufenden NS-Schüler-Schau im ZKM. Foto: Homberg

 

ZKM zeigt künstlerisch gestaltete Schülerarbeiten zu Akteuren und Opfern des Regimes

Bis zu seiner Absetzung durch das NS-Regime 1933 war Dr. Hans Waag Intendant des Badischen Landestheaters. Er wurde des sexuellen Missbrauchs beschuldigt, vor allem das Karlsruher Kampfblatt „Der Führer“ betrieb eine Verleumdungskampagne gegen den propagandistisch so genannten Vertreter des undeutschen Theaters. Vorgeschobene gesundheitliche Gründe führten zur Entlassung. Trotzdem musste Waag später an die Front und fiel im Zweiten Weltkrieg.

Seine Biografie haben die Elftklässlerinnen Maria Pak vom Helmholtz- und Charlotte Wenzel vom Bismarck-Gymnasium in Referaten aufgearbeitet und dann künstlerisch umgesetzt. Zu sehen im ZKM als Teil der Präsentation eines schulübergreifenden Projekts über Akteure, Opfer und Täter im Dritten Reich. „Mit Geschichte Zukunft gestalten“ gibt es nun im vierten Jahr, auch das Goethegymnasium wirkt mit.

Aufbauend auf der Stadtrundfahrt zu Orten des Nationalsozialismus des Stadtjugendausschusses, hatten sich die drei Schulen vorgenommen, Geschichte und Kunst in eine zeitgemäße Form zu bringen. Historisches sollte auch künstlerisch erfahrbar und damit ein neuer, interessanter Zugang gefunden werden. Die Künstler Max Kosorić und Fanny Kranz (ZKM-Museumskommunikation) standen den Schülerinnen und Schülern bei der künstlerischen Umsetzung ihrer Geschichtsforschungen beratend zur Seite und ermöglichten die gemeinsame Schau von insgesamt zehn Arbeiten – zuvor auch in den einzelnen Schulen ausgestellt. Akribisch hatten die Mädchen und Jungen recherchiert. So entdeckte Maria im Keller ihrer Schule ein altes Buch mit zum Teil leeren Seiten. Diese konnten Charlotte und sie letztlich mit ihrer Arbeit füllen.

Am Tag zuvor eröffnet, war die Ausstellung im ZKM eine Attraktion der Karlsruher Museumsnacht. Trotz Ferien waren einige junge Schaffer vor Ort, um ihre Arbeiten zu erläutern. So auch Ege Ünsal vom Goethe-Gymnasium, der als Schachspieler die Geschichte und späteren Gewissensbisse des Journalisten Alfred Rapp in die Form eines elektronischen Schachbretts gebracht hat, um dessen Handlungszüge aufzuzeigen. Eine andere Arbeit befasst sich mit dem Karlsruher Schauspieler Kurt Müller-Graf, eine weitere mit dem Goethe-Leiter zur NS-Zeit, auch Arisierung und Gestapo sind Themen.

Die Ausstellung ist noch bis zum 9. September im ZKM zu sehen (https://ns-in-ka.de). -erg-

 
 

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