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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 14. September 2018

Denkmaltag 2018: Eigene Stadt mit neuen Augen sehen

ERÖFFNUNG: Im   stillgelegten, fensterlosen Gerichtssaal des Bundesgerichtshofs warben  Katrin Schütz, Jutta Limperg und Frank Mentrup für das Forum Recht. Foto: Sandbiller

ERÖFFNUNG: Im stillgelegten, fensterlosen Gerichtssaal des Bundesgerichtshofs warben Katrin Schütz, Jutta Limperg und Frank Mentrup für das Forum Recht. Foto: Sandbiller

BLICK vom Turm der Stadtkirche auf das Rathaus Foto: Altenburg

BLICK vom Turm der Stadtkirche auf das Rathaus Foto: Altenburg

 

Tag des offenen Denkmals zog an die 12.000 interessierte Menschen an über 60 Orte

Erfahren, was sich an vielen Orten früher abgespielt hat, wann und warum Gebäude entstanden sind, dafür strömten in Karlsruhe und der Region wieder Scharen zum Tag des offenen Denkmals. Und sahen anschließend ihre Stadt mancherorts in neuem Licht.

„Völlig entspannt und interessiert“ trafen bei  „Kaiserwetter“ am 9. September die Rekordzahl von geschätzten 12 000 Menschen an 60 historischen Orten im Stadtgebiet auf „unglaublich engagierte und fachkundige Akteure“, berichtete Carmen Heichel von der städtischen Marketing und Eventgesellschaft. Die war erstmals Organisatorin und sammelt nun Ideen für 2019 mit Fokus auf die Bauhaus-Moderne. Zur Eröffnung begrüßten Präsidentin Jutta Limperg, Staatssekretärin Katrin Schütz und OB Dr. Frank Mentrup Gäste im großen Sitzungssaal des  Schellingschen Saalbaus im  Bundesgerichtshof.

Im stillgelegten Saal fanden in der Nachkriegszeit abhörsicher Spionageprozesse statt. Verurteilt wurde etwa, berichtete der ehemalige BGH-Richter Dr. Detlev Fischer bei seiner Führung, 1969  der Fotounternehmer Hannsheinz  Porst, Mitglied in SED und FDP wegen Geheimnisverrats. Ebenso 1961 der vom tschechischen Geheimdienst erpresste sudetendeutsche Sozialdemokrat  Alfred Frenzel, nachdem er Interna über Bundeswehr, NATO und den westdeutschen Haushalt geliefert hatte. Stillgelegt ist der fensterlose Verhandlungssaal mit der Atmosphäre eines angstmachenden  Obrigkeitsstaates mit harter Anklagebank, weil er dem heutigen Verständnis einer „bürgernahen und transparenten Justiz“, so Limperg, nicht mehr entspricht.

Als authentischer Raum der Nachkriegszeit soll er aber als Zeitzeugnis in das geplante Forum Recht zur Auseinandersetzung mit dem Rechtsstaat integriert werden, für das Mentrup  um „dauerhafte Bundesmittel“ wirbt.  Auch bei der Eröffnung dabei war  „Waschweib Mimi“ alias Maud König, die sich wenig später in der 1709 entstandenen,  Kleinen (ältesten) Kirche, über die sich allzu sonderbar benehmende Mutter Großherzogs  Karl Friedrich „aufregte“, der später in geistiger Umnachtung versunkenen Anna Charlotte Amalie. Über 70 Interessierte stießen nachmittags zu Oliver Albrechts Recherchen über das  diplomatische Karlsruhe als Folge der  napoleonischen Beförderung Badens zum Großherzogtum.

Er führte vom „Schwedenpalais“ in der Hans-Thoma-Straße, der heutigen Führungsakademie, bis 1810 französische Botschaft, über das Eckhaus Karl-, Stephanienstraße, in dem der österreichische Gesandte residierte, in die Stephanienstraße 7. Hier war nach 1884 die preußische Niederlassung bevor sie in das repräsentative Palais in der  Jahnstraße 4, aktuell Lehrerseminar, verlegt wurde. Im „Millionenviertel“ mit seinen prächtigen Villen, wirkten etablierte Bürger seit Ende des 19. Jahrhunderts ehrenamtlich als Konsuln, so  in der von Curjel & Moser erbauten Jahnstraße 22 oder  gegenüber in  der von  Hermann Billing entworfenen Nummer 13. Ein Beispiel für adäquate Denkmalsnutzung ist das Rote Haus in Rüppurr, ehemals Meierei des abgerissenen Schlosses. Das sanierte, verputzte  Fachwerkhaus ist als Seminar- und Therapiezentrum Domizil für  heilende wie künstlerischen Berufsgruppen. -cal-

 
 

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