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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 14. September 2018

Stadtgeschichte: Erstes Mädchengymnasium vor 125 Jahren eröffnet

ABITURIENTINNEN des Jahrgangs 1911 mit ihren Lehrern in einem Klassenraum des Schulhauses Sophienstraße 14. Foto:StA

ABITURIENTINNEN des Jahrgangs 1911 mit ihren Lehrern in einem Klassenraum des Schulhauses Sophienstraße 14. Foto:StA

 

Am 16. September 1893 wurde in Karlsruhe das erste Mädchengymnasium in Deutschland feierlich eröffnet. Seine Gründung stellt einen wichtigen Schritt auf dem Weg zum gleichberechtigten Zugang zu Bildung und Beruf für Frauen dar.

Die Initiative dazu ging von dem von Hedwig Kettler gegründeten Verein Frauenbildungsreform aus, dessen Ziel „die Zulassung des weiblichen Geschlechts zum Studium an Universitäten und anderen Hochschulen“ war. Diese wurde Frauen vom Deutschen Reich und den Bundesländern mit Verweis auf das fehlende Abitur nach wie vor verweigert. Der Verein richtete 1891 eine Petition an verschiedene Landtage, in der um die Erlaubnis gebeten wurde, ein Mädchengymnasium eröffnen zu dürfen. Das Ansinnen stieß fast überall auf Ablehnung, nur aus Baden kamen auch wohlwollende Reaktionen. Schließlich konnte der Verein in Karlsruhe ein Mädchengymnasium in privater Trägerschaft errichten. Der Stadtrat unterstützte ihn dabei durch die Stellung von Unterrichtsräumen in der städtischen Volksschule Waldstraße 83.

In den ersten Jahren hatte das Gymnasium mit zahlreichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Finanzielle und organisatorische Probleme häuften sich derart, dass die Schule 1897 von der Schließung bedroht war. In dieser Situation griff die Stadt ein und übernahm das Mädchengymnasium in städtische Verwaltung. Es wurde der in der Sophienstraße 14 gelegenen Höheren Mädchenschule angeschlossen und erhielt den Status einer öffentlichen Schule. Im Jahr 1899 legten die ersten vier Schülerinnen das Abitur ab, drei von ihnen nahmen danach ein Studium auf. Das Ansehen der Schule wuchs, und die Anzahl der Schülerinnen stieg so rasant an, dass eine Teilung notwendig wurde. Das Mädchengymnasium bekam 1911 einen Neubau am Gutenbergplatz, das heutige Lessing-Gymnasium, während aus der Höheren Mädchenschule später das jetzige Fichte-Gymnasium hervorgehen sollte.

 
 

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