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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 14. September 2018

Wohnraumstudie: Der Wohlfühlfaktor ist hoch

ATTAKTIVER WOHNORT: Karlsruhe ist als Lebensmittelpunkt begehrt, ein Großteil der Bürgerinnen und Bürger mit den eigenen vier Wänden zufrieden. Der Wohnungsbau hinkt hingegen hinterher. Foto: Fränkle

ATTAKTIVER WOHNORT: Karlsruhe ist als Lebensmittelpunkt begehrt, ein Großteil der Bürgerinnen und Bürger mit den eigenen vier Wänden zufrieden. Der Wohnungsbau hinkt hingegen hinterher. Foto: Fränkle

 

Karlsruher sind zufrieden mit der eigenen Wohnung / Studie zeigt aber auch Nachholbedarf bei Modernisierung und Neubautätigkeit

Der Wohlfühlfaktor in den eigenen vier Wänden ist in Karlsruhe hoch. Bei einer telefonischen Umfrage zeigten sich 98 Prozent der Befragten mit ihrer aktuellen Wohnung oder in ihrem Haus zufrieden oder gar sehr zufrieden. Hervorragende Werte erhielten auch das Wohnumfeld und die Fächerstadt selbst.

Über 97 Prozent der Befragten leben gerne in ihrem Quartier. Und für die hohe Attraktivität der Stadt selbst spricht auch, dass fast 85 Prozent der Haushalte mit Umzugsabsichten den Wohnungswechsel innerhalb der Stadtgrenzen realisieren wollen. Mit ausschlaggebend dafür ist auch die als hervorragend bewertete Erreichbarkeit von Einzelhandel, medizinischer Versorgung, Bildungs- und Betreuungseinrichtungen sowie der öffentliche Nahverkehr.

Diese Ergebnisse für Karlsruhe aus der nach der Umfrage in der gesamten Region vom Regionalverband in Kooperation mit der Stadt erstellten Wohnraumstudie zum Thema „Wohnverhältnisse und Umzugsabsichten in der Region Mittlerer Oberrhein“ stießen am Dienstag im gemeinderätlichen Hauptausschuss auf breite Zustimmung.

Wichtiger Hebel

Andere Resultate wiederum stießen auf Kritik. So bezweifelte etwa SPD-Stadtrat Michael Zeh die in der Telefonumfrage ermittelte Aussage, 50 Prozent der Karlsruherinnen und Karlsruher würden im Eigenheim leben. Zeh: „Realistisch ist eher der Wert von 30 Prozent, den die Bürgerumfrage 2013 angegeben hatte“. Auch GRÜNE-Fraktionschef Johannes Honné zweifelte daran, dass „diese Art der Herangehensweise die richtige gewesen“ sei.

Der Vorsitzende der CDU-Fraktion Tilman Pfannkuch hingegen hob den Vorteil der Umfrage hervor, der in ihrer Ausdehnung auf die gesamte Region liege und „ein Gespür für den zusammenhängenden Wirtschaftsraum“ vermittle. Der Vergleich mit den Städten und Gemeinden im Umland sage klar aus, so Pfannkuch: „Wir haben einen eminenten Bedarf an Wohnraum“. Und auch für Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup ist die Studie „ein wichtiger Hebel“ für das weitere politische Handeln.

Weniger Neubauten

Die Dringlichkeit in Sachen Neubau von Wohnungen unterfüttert die Studie mit Zahlen. Sie zeigt, dass trotz zunehmender Anspannung und steigender Nachfrage auf dem Karlsruher Wohnungsmarkt die Zahl der jährlichen Baufertigstellungen in den letzten Jahren rückläufig war. 2014 wurden in der Fächerstadt noch 703 neue Wohnungen fertig gestellt, 2015 waren es 574 und 2016 nur noch 439. In der Region Mittlerer Oberrhein insgesamt stieg hingegen die Zahl der jährlich neu gebauten Wohnungen kontinuierlich von 1.997 im Jahr 2013 auf 2.701 im Jahr 2016.

Und darüber hinaus könnte der Komfort in den bestehenden Wohnungen in Karlsruhe bisweilen ein wenig besser sein: So bewerteten in der Fächerstadt zwar 87 Prozent der befragten Haushalte ihre Wohnung als umfassend modernisiert, doch in den anderen Städten und Landkreisen der Region lag der Anteil noch höher. Im Landkreis Karlsruhe bei 93 Prozent, in Bruchsal bei 96 Prozent, in Ettlingen bei 93 Prozent und in Rastatt bei 95 Prozent.

Preisgünstig anbieten

Der Schlussfolgerung der Studie, dass in der Fächerstadt vor allem im preisgünstigen Segment in naher Zukunft deutlich mehr neuer Wohnraum entstehen müsse, schloss sich ebenfalls KULT-Fraktionschef Erik Wohlfeil an. AfD-Stadtrat Dr. Paul Schmidt hingegen verwies darauf, dass laut Prognose ein Großteil des Bevölkerungswachstums in den nächsten Jahren in Karlsruhe durch Zuzüge aus dem Ausland entstehe. Schmidt: „Wir müssen uns fragen: Für wen bauen wir Wohnungen?“. -trö-

 
 

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