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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 21. September 2018

Wohnen für Hilfe: Jung und Alt helfen einander

ERFOLGREICHES PROJEKT: OB Dr. Frank Mentrup unterstrich beim Festakt die besondere Bedeutung von „Wohnen für Hilfe“. Foto: Setzler

ERFOLGREICHES PROJEKT: OB Dr. Frank Mentrup unterstrich beim Festakt die besondere Bedeutung von „Wohnen für Hilfe“. Foto: Setzler

 

OB Dr. Frank Mentrup freut sich, dass „Wohnen für Hilfe“ seit zehn Jahren erfolgreich ist: „Wer Wohnraum übrig hat, bietet ihn Studierenden gegen Unterstützung an. Viele ältere Menschen leben allein und benötigen zunehmend Hilfe im Alltag – der Sprudelkasten wird nicht leichter und die Gartenarbeit wird mühsamer“, sagte der OB in der vergangenen Woche auf dem Jubiläumsfestakt.

160 Wohnpartnerschaften wurden seit dem Start 2008 vermittelt, außer Senioren können auch Familien, Alleinerziehende und Menschen mit Handicap ein Zimmer gegen Unterstützung im Alltag tauschen. Pro Quadratmeter Wohnfläche gehen die Mieter ihren Vermietern dabei eine Stunde pro Monat zur Hand.
„Das Zusammenleben unterschiedlicher Generationen fordert kulturelle und zwischenmenschliche Kompetenzen, schult sie aber auch“, unterstrich Mentrup.

Trotz Altersunterschieden von 50 Jahren und mehr hätten sich dabei schon ungewöhnliche Freundschaften entwickelt. „Ich möchte alle Menschen dazu ermutigen, diese Wohnform auszuprobieren. Seien Sie offen für andere und den Dialog zwischen Generationen und Kulturen – das kann eine tolle Bereicherung sein.“

Peter Kohm, der Geschäftsführer der Paritätischen Sozialdienste, findet das generationenübergreifende Zusammenwohnen auch zehn Jahre nach dem Start noch innovativ. „Unter Innovation verstehe ich in erster Linie verbessern. Und ‚Wohnen für Hilfe’ verbessert die Situation für wohnraumsuchende Studierende wie für Senioren, die allein und isoliert leben“, so Kohm. Das Projekt bringe Menschen in einer neuen Lebensphase zusammen.

Projektkoordinatorin Susanne Butz gab Einblicke in die Praxis: „Ein Student aus Kamerun hat in seiner WG mit einer 86-Jährigen traditionelle Sprichwörter gelernt, während ein chinesischer Student deutsche Grammatik erklärt bekam und dafür Schachunterricht gab. Und ein iranischer Student aus ‚Wohnen für Hilfe‘ schwäbelt jetzt!“ Meist seien es Seniorinnen, die sich auf das Zusammenleben mit Studierenden einlassen, weiß Susanne Butz. "Bei Paaren höre ich oft, dass der Mann skeptisch ist. Aber: Ein junger Mensch im Haus ist die beste Altersprophylaxe - mit dem reden Sie nicht über Krankheiten!“. -nin-

 
 

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