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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 28. September 2018

Werderplatz: Erster Schritt zur Entzerrung

NEUER TREFFPUNKT: Wolfgang Stoll, Martin Lenz und Cordula Sailer (Mitte von links) informieren bei der Eröffnung die Gäste über  das Angebot A³ für Menschen aus der Trinkerszene am Werderplatz. Foto: MMG

NEUER TREFFPUNKT: Wolfgang Stoll, Martin Lenz und Cordula Sailer (Mitte von links) informieren bei der Eröffnung die Gäste über das Angebot A³ für Menschen aus der Trinkerszene am Werderplatz. Foto: MMG

 

Treffpunkt A³ soll zur Beruhigung der Situation auf dem Werderplatz beitragen

Als Teil eines breit gefächerten Maßnahmenpakets zur Deeskalation der zugespitzten Situation auf dem Werderplatz eröffnete das Diakonische Werk jetzt in der Schützenstraße 2 einen Alkohol akzeptierenden Aufenthaltsraum.

Hinter dem sperrigen Begriff mit der Kurzform A³ verbirgt sich ein Treffpunkt für Menschen vor allem aus der Trinkerszene am Werderplatz. Diese können sich in der früheren Gaststätte „Klosterbräu“ untereinander austauschen, sich an Freizeitangeboten beteiligen, Beratung von Sozialarbeitern wahrnehmen - und auch Alkohol trinken. Keinen hochprozentigen Sprit, aber Bier, Wein oder Sekt. Ihre Spirituosen müssen die Besucher selbst mitbringen, im A³ gehen nur nichtalkoholische Getränke über den Tresen. Unterstützung und Tagesstruktur bekommen Gäste des A³ montags bis freitags von 11 bis 17 Uhr.

„Unser Ziel ist, hier für die Menschen eine positive Lebensperspektive zu schaffen“, dankte der Direktor des Diakonischen Werks, Pfarrer Wolfgang Stoll, Stadt und Gemeinderat bei der Eröffnung dafür, „dass sie sich auf dieses Projekt einlassen“. Diese Form des Aufenthaltsraums ist zumindest landesweit einmalig, „andere Städte schauen auf uns“, betonte Bürgermeister Martin Lenz. Der Sozialdezernent dankte wiederum den Bürgern der Südstadt, „die richtig was mitmachen“, für ihre Geduld. Schnelle Lösungen gebe es nicht, „lokale Demokratie braucht Zeit“, wandte sich Lenz deutlich gegen diejenigen, die „mit monokausaler Rattenfänger-Ideologie“ das komplexe Problem der Alkohol- und Drogenszene angehen wollen.

So vielschichtig wie die Problemlage ist auch das vom Gemeinderat auf den Weg gebrachte Paket möglicher Lösungen, das eine 2016 nach einer Bürgerversammlung installierte Arbeitsgruppe aus Stadt, Polizei, Wohlfahrtsverbänden und Bürgerschaft schnürte. „Wir brauchen Angebot und Repression“, brachte die städtische Drogenbeauftragte Cordula Sailer die zweigleisige Strategie auf den Punkt. Dazu gehört auch eine Erhöhung des Drucks auf dem Platz. So verstärkten dort Polizei und Kommunaler Ordnungsdienst deutlich ihre Präsenz. Als Mittel, um „das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürger zu verbessern“, unterstrich der Leiter des Ordnungs- und Bürgeramts, Dr. Björn Weiße. Als weitere Maßnahme könne ein Alkoholkonsumverbot zu bestimmten Zeiten greifen. Die Vorlage zu einer entsprechenden Satzung soll dem Gemeinderat Ende des Jahres zur Beschlussfassung vorgelegt werden. In Sachen Drogenkonsumraum soll die Entscheidung 2019 fallen. -trö-

 
 

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