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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 26. Januar 2018

Moschee: Mit Ditib im Gespräch

VISUALISIERUNG der geplanten neuen Zentralmoschee. Foto: Ditib

VISUALISIERUNG der geplanten neuen Zentralmoschee. Foto: Ditib

 

Info-Abend zu Moschee mündet in Gesellschaftsdebatte

Seit den Achtzigern ist Ditib in Karlsruhe aktiv und nach Provisorien in Wieland- und Wolfartsweierer Straße seit 1997 in der oststädtischen Käppelestraße 3 zu finden.

Gut 250 Gäste im Hauptraum der Zentralmoschee sowie weitere angrenzend und draußen zeigten das Interesse am Info-Abend von Bürgerverein Oststadt (BV) und Ditib. Dieser widmete sich vorige Woche dem geplanten Neubau eines repräsentativen Gotteshauses mit Gemeindezentrum. Die überwiegend gesellschaftliche Debatte gestaltete sich teils hitzig bis zu Propaganda-Vorwürfen. Sie fand aber eben statt, klärte auch auf. Das Bedenken aufwerfende Minarett sei laut Gemeinde-Tenor nur Identifikationssymbol. Muezzin-Rufe, versicherte Baubürgermeister Michael Obert, gebe es in Karlsruhe nicht.

Die Gastgeber zielten auf Offenheit und Austausch, erwarteten reine Fachfragen zum Bauvorhaben. Aus dem Plenum kam viel Unterstützung, aber auch Gegenwind. Das Recht auf freie Religionsausübung stellte niemand in Abrede. Doch Unmut und Sorgen zum Einfluss des Dachverbands und des ihn leitenden Erdogan-Regimes wurden deutlich. Ferner ging es um Integration, Gleichberechtigung, Toleranz. Alle drei Werte zählten wie das Bekenntnis zur freiheitlich demokratischen Grundordnung zu denen der Gemeinde, die überparteilich und vielfältig strukturiert sei, betonte Islamwissenschaftlerin Derya Sahan, die das Moschee-Konzept erstellt hatte und nun präsentierte. Zugleich hingen ausgearbeitete Pläne aus. Der Bauantrag des Bauherrn Ditib war aber noch nicht eingereicht worden. Über "Damen"- und "Herren"-Gebetsraum werde die "Feministin" noch mit dem Architekten reden. Ihre allgemeine Bedarfsanalyse habe vor allem ob des Platzmangels ergeben: "Der Neubau ist unumgänglich." Er werde eine würdige Atmosphäre schaffen und mit Kapazität für bis zu 700 Menschen allen offenstehen. In Vortrag und deutsch-türkisch besetztem Podium, das Publikumsfragen beantwortete, erklärte Obert: Ditib, die rund sechs Millionen Euro Kosten selbst finanzierend, habe auf eigenem Gelände jedes Recht zu dem Bau. Den legitimiere auch die Baunutzungsverordnung. Religiöse Einrichtungen lasse diese im Gewerbegebiet der Oststadt zu.

BV-Vorsitzender Dr. Jürgen Scherle begrüßte, wie auch ausdrücklich Kirchenvertreter, eine angemessene Stätte der Begegnung auf Augenhöhe. Er hoffe auf einen Bau "ohne Zoff", verstehe Ängste in Bezug auf den Islam wegen des Terrors, aber Probleme mit der friedlichen Karlsruher Gemeinde seien ihm nie zu Ohren gekommen. Obert ergänzte, es spiele keine Rolle, wie in anderen Ländern verfahren wird. Vieles sei am türkischen Regime zu kritisieren, aber es gehe "um eine Entscheidung, die wir als Kommune auf dem Boden des Rechts treffen", und: "Wir machen keine Politik für die Bundesrepublik." -mab-

 
 

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