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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 5. Oktober 2018

Gartenbauamt: Massive Trockenheit plagt Bäume

Beginn der jährlichen Fällungen / Komplexes Prüfverfahren umfasst Artenschutz

Extreme Hitze in Kombination mit extremer Trockenheit: Das setzt nicht nur vielen Menschen, sondern besonders auch der Pflanzenwelt stark zu. Trotz aller Anstrengungen des Gartenbauamts samt Unterstützung durch Personal und Tankfahrzeuge des Amts für Abfallwirtschaft ist es unter den gegebenen Umständen nicht möglich, alle Bäume über ausreichend Wasser zu retten.

Allein, um die Neupflanzungen in nahezu 40.000 Gießgängen sommers wöchentlich zu wässern, müssten pro Saison fünf mit Wassertanks ausgerüstete Laster täglich im Einsatz sein. Nun, zu Oktoberbeginn stehen wie jeden Jahreswechsel Bäume zur Fällung an; durch Hitze und Trockenheit sind es diesmal überdurchschnittlich viele, nämlich rund 700 im gesamten Stadtgebiet. Dies bedeutet eine Zunahme um 50 Bäume im Vergleich zur Vorsaison. Der Schnitt der letzten Jahre liegt bei 600 Fällungen, mit steigender Tendenz, die überwiegend auf den immer häufiger auftretenden Trockenstress zurückzuführen sein dürfte. Meist ist Stand- oder Bruchsicherheit aufgrund dieser Schwächung und Folgewirkungen wie Pilzbefall nicht mehr gewährleistet.

Der Beginn der Fällmaßnahmen (Liste auf karlsruhe.de/b3/freizeit/ gruenflaechen/baeume/faellmass-nahmen.de) orientiert sich am gesetzlichen Fäll- und Rodeverbot von März bis September. Daher sollen die aktuell auszuführenden Maßnahmen auch bis Ende Februar abgeschlossen sein. Eine artenschutzrechtliche Prüfung ist wesentlicher Bestandteil eines umfassenden Verfahrens zur Fäll-Freigabe. Besondere Habitatbäume werden, soweit und so lange es die Standsicherheit zulässt, nicht gefällt, sondern in aufwendigen Sicherungsmaßnahmen bis ins hohe Alter gepflegt.

So erhielt etwa eine vom streng geschützten Eichenheldbockkäfer besiedelte alte Eiche am Festplatz in diesem Jahr ein Stahl-Stützkorsett. Wenn kein Weg mehr an einer Fällung vorbeiführt, braucht es danach etwa ein Jahr, bis an gleicher Stelle Neupflanzungen möglich sind. Die sollen mindestens die gefällten Bäume ersetzen. Das Gartenbauamt plant ferner, um der drohenden Überhitzung des Stadtraums entgegenzuwirken, 200 weitere Bäume. Zugleich betreiben Tiefbau- und Liegenschaftsamt eigene Unterhaltungs- und Sicherungsmaßnahmen, was weitere Fällungen umfassen kann. Erst, wenn ein Baum nach regelmäßigen Kontrollen (teils samt Spezialbohrmaschine, die über den Widerstand des Stammholzes dessen verbliebene Restwandstärke ermittelt) nicht mehr zu retten ist, wird er gefällt – nicht zuletzt eben aus Sicherheitsgründen. Im Gros ist zusehends Vertrocknen die Ursache des Absterbens.

Schon ein Baum von bis zu 25 Zentimetern Stammumfang benötigt mindestens 100 Liter Wasser pro Woche / Wässerung. Niederschlag nimmt immer mehr ab, bleibt vor allem im Sommer ganz aus. Fielen im langjährigen Mittel noch rund 850 Millimeter, waren es dieses Jahr von April bis September insgesamt 293,6 Millimeter. Im Sinne des Stadtklimas ordnete das Gartenbauamt dem Erhalt des Baumbestands die höchste Priorität zu. Darum konnte etwa die übliche Überarbeitung der Günther-Klotz-Anlage in Folge von Das Fest erst Ende September in Angriff genommen werden. Graswurzeln überleben in aller Regel. Bäume müssen ein gewaltiges Wurzelwerk entfalten. Neupflanzungen sind dazu zunehmend weniger in der Lage, auch weit ältere Bäume haben große Probleme. Ein Grund, weshalb die Stadt auch auf Zukunftsbäume vor allem aus dem Mediterranen setzt. Der gewohnte Ahorn etwa braucht eher feuchte Bedingungen. -mab-

 
 

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