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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 2. November 2018

Einbürgerungsfeier: Bekennen, verstehen, einbringen

SYMBOLISCH überreichte Bürgermeister Käuflein Redner Göznek im Rahmen der musikalisch untermalten Einbürgerungsfeier die offizielle Urkunde und einen badischen Blumengruß. Foto: Fränkle

SYMBOLISCH überreichte Bürgermeister Käuflein Redner Göznek im Rahmen der musikalisch untermalten Einbürgerungsfeier die offizielle Urkunde und einen badischen Blumengruß. Foto: Fränkle

 

Türkei-Flüchtling motiviert

„Pünktlichkeit, Einhaltung der Regeln, preußische Disziplin”: Werte, für die Ali Göznek Deutschland schon bewunderte, als er noch in der Türkei lebte. Stellvertretend für alle zwischen Mai und September Eingebürgerten hielt er bei der ihnen gewidmeten Feier vorige Woche Mittwoch im Bürgersaal des Rathauses eine Rede.

Göznek erklärte dabei beispielhaft seine Motive für die Annahme der deutschen Staatsbürgerschaft. Auswanderung und Flucht spielten dabei eine große Rolle. Als Regime-Kritiker ging für ihn schon 2011 binnen Tagen um Freiheit oder Haft, vielmehr Leben oder Tod.

An alle Neubürger gewandt, betonte Bürgermeister Dr. Albert Käuflein: „Sie haben sich zu Deutschland bekannt - freiwillig und ganz bewusst. Und unser Land bekennt sich damit zu Ihnen.“ Auf das „weltoffene, multikulturelle“ Karlsruhe bezogen spannte er den prägenden Bogen von den aus dem Ausland schon zur Gründung Geworbenen über nach dem Zweiten Weltkrieg vertriebene Landsleute und Gastarbeiter bis zu jungen Menschen, die gezielt hiesige Hochschulen und Unternehmen ansteuern.

Nicht zu vergessen Geflüchtete wie Göznek. „Meine liebe Frau und meine liebe Tochter musste ich zurücklassen.“ Nachdem sein Asylverfahren 2013 positiv abgeschlossen wurde, konnten sie 2014 und (als Studentin) 2016 nachkommen. Ohne Deutschkenntnisse wäre ein englischsprachiges Aufnahmeland für ihn logischer gewesen, doch dort waren keine Verwandten. Die Tante im Südschwarzwald gab den Ausschlag. Neben den geschätzten Tugenden, die ihm zu einfacher Integration verholfen hätten, und der Bewunderung von Dichtern und Denkern – „mein wichtigstes Interesse“. Die Sprache als Hürde zum Arbeitsmarkt musste er sich zunächst selbst beibringen, mit inzwischen 50 ist Göznek als freier Übersetzer tätig. „Ich weiß, dass jeder von Ihnen eine Erfolgsgeschichte hat“, ermutigte der vom besonderen Tag Bewegte das neudeutsche Publikum: „Jetzt können wir richtig auf Augenhöhe leben.“

Das und mehr wünschte Käuflein, der Göznek symbolisch eine Einbürgerungsurkunde überreichte, allen und animierte sie, sich politisch, gesellschaftlich einzubringen. Die Religionsfreiheit hob der Theologe aus dem verteilten Grundgesetz hervor: „Das bedeutet, dass niemand seinen Glauben verbergen muss. Was wir ablehnen, ist religiöser Extremismus, Fanatismus.“ Erfahrungen, Einschätzungen, Expertise seien unbedingt willkommen. „Nur so kann das Zusammenleben gelingen, wenn wir das Gefühl haben, zu verstehen und verstanden zu werden.“ An diesem Abend war es ganz so. Die passenden Töne dazu steuerte das Orchester des Helmholtz-Gymnasiums bei, das Werke von Mendelssohn Bartholdy spielte und zum festlichen Abschluss die Nationalhymne. -mab-

 
 

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