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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 9. November 2018

Kultur: Literatur als Sache des Herzens

HERZENSSACHE LITERATUR: Hansgeorg Schmidt-Bergmann, Thomas Hettche, Paul-Henri Campell und Frank Mentrup (von links). Foto: Fränkle

HERZENSSACHE LITERATUR: Hansgeorg Schmidt-Bergmann, Thomas Hettche, Paul-Henri Campell und Frank Mentrup (von links). Foto: Fränkle

 

Hesse-Preisverleihung an Hettche und Campell

Seine aufrechte moralische Haltung machte Hermann Hesse Mitte der 1950er-Jahre neben Thomas Mann zu einem der prominentesten deutschen Autoren. Zu Unrecht werde dessen Werk vordergründig mit individualistischer Abkehr von der Realität verbunden, betonte OB Dr. Frank Mentrup im Bürgersaal des Rathauses bei der Übergabe des mit 15.000 Euro dotierten Hermann Hesse Literaturpreises an Thomas Hettche für seinen Essayband „unsere leeren herzen. Über Literatur“.

Der Förderpreis (5.000 Euro) ging an den deutsch-amerikanischen Dichter Paul-Henri Campbell für „nach den narkosen“. Mit der Etablierung des Hesse-Preises habe sich Karlsruhe 1957 zu den Idealen des zutiefst humanistischen Literaturnobelpreisträgers bekannt, denn Literatur stehe nach den Worten Mentrups auch immer „für das Mögliche, für die Einlösung von Hoffnungen.“ Als „Glücksfall“ bezeichnete Prof. Dr. Hansgeorg Schmidt-Bergmann, Vorsitzender der Stiftung Hermann Hesse Literaturpreis, die Auszeichnung und ihre Wirkung, sie ermutige wie aktuell „in Zeiten der Gegenaufklärung“ zur Einmischung.

Nach Fahrtenbuch (2007) und Totenberg (2012) schreibt Thomas Hettche mit „unsere leeren Herzen“ weiter an seiner intellektuellen Autobiografie, stellt sich drängenden Sinnfragen. Seine Auseinandersetzung mit Ovid, Kant oder Houellebecq kündeten „von den Abenteuern eines wachsamen Lesers im Dickicht der Bücher“ heißt es in der Begründung der Jurymitglieder Bettina Schulte (Badische Zeitung), Stefan Kister (Stuttgarter Zeitung), Andreas Platthaus (FAZ) und Hansgeorg Schmidt-Bergmann. Dass er für seine essayistische Arbeit ausgezeichnet wurde freute Hettche besonders, denn diese Gattung erfahre gemeinhin wenig Aufmerksamkeit.

Paul-Henri Campbells vierter Gedichtband „nach den narkosen“ ist der erste, der sich mit seiner angeborenen Herzschwäche und den Klinikaufenthalten beschäftigt. Zugesprochen wurde ihm der Förderpreis, weil es ihm „eindrucksvoll“ gelinge, der Orientierung der Welt am Gesunden „seine Botschaften aus dem beschädigten Leben“ entgegen zu setzen. -maf-

 
 

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