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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 9. November 2018

Stadtgeschichte: Praktisch ohne die Räte

Menschen vor dem Rathaus am 10. November, drinnen tagt der Soldaten- und Arbeiterrat. Foto: StA

Menschen vor dem Rathaus am 10. November, drinnen tagt der Soldaten- und Arbeiterrat. Foto: StA

 

Wohlfahrtsausschuss in der Novemberrevolution 1918

Zwei Badener wirkten 1918 maßgeblich mit, die revolutionären Kräfte in parlamentarische Gleise zu lenken. Prinz Max von Baden hatte angesichts der sich auflösenden Ordnung am 9. November eigenmächtig die Abdankung des Kaisers verkündet und seine Reichskanzlerschaft an den Sozialdemokraten Friedrich Ebert übergeben. Der die Revolution „wie die Sünde“ hasste.

Am 4. November hatten Matrosen in Kiel gemeutert und nach dem Vorbild. der russischen Revolution Räte gebildet. Die Rätebewegung breitete sich rasend schnell aus. Am 9. November verloren auch in Karlsruhe die Offiziere die Macht über ihre Soldaten, waren revolutionäre Matrosen in der Stadt eingetroffen. Ihr Versuch, über den SPD-Stadtrat und Gewerkschaftssekretär Heinrich Sauer vor Ort einen Rat zu etablieren, lehnte dieser ab. Sauer setzte stattdessen auf einen „Wohlfahrtsausschuss“ mit allen, auch den konservativen Parteien.

Die revolutionären Soldaten bildeten dagegen auf einer Versammlung am gleichen Tag abends vor dem Hauptbahnhof den Karlsruher Soldaten- und Arbeiterrat unter Vorsitz des USPD-Vertreters Johann Brümmer, der sich aber nicht gegen den Wohlfahrtsausschuss durchsetzte. Die „Vorläufige Volksregierung“ entstand so am 10. November praktisch ohne den Rat. Letzterer,  abermals erneuert, sicherte zu, sich unmittelbarer Eingriffe gegen städtische Stellen und Betriebe zu enthalten.

Statt um Systemänderungen kümmerte sich „die Revolution“ zunächst um die Linderung der durch den Krieg hervorgerufenen Not. Wie im Großen veränderte sich kommunal das politische Tableau. 1919 wurde mit Dr. Julius Finter, DDP, ein neuer Oberbürgermeister gewählt, neu war ebenso Heinrich Sauer, SPD, als Erster Bürgermeister sowie Bürgermeister Hermann Schneider vom Zentrum. -jsk-

 
 

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