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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 16. November 2018

Kultur: Vom ständigen Hin und Her

DAS BILD von Anton von Werner aus dem Krieg von 1870/71 kommentieren (v.l) OB Dr. Frank Mentrup, Dr. Peter Pretsch und die Leiterin des Centre Culturel Franco- Allemand, Marlène Rigler. Foto: Fränkle

DAS BILD von Anton von Werner aus dem Krieg von 1870/71 kommentieren (v.l) OB Dr. Frank Mentrup, Dr. Peter Pretsch und die Leiterin des Centre Culturel Franco- Allemand, Marlène Rigler. Foto: Fränkle

 

Elsass-Schau im Stadtmuseum

„Es geht um das Hin und Her, das Auf und Nieder zwischen „Karlsruhe und Elsass-Lothringen seit 1871“, eröffnete OB Dr. Frank Mentrup die in die grenzüberschreitende Ausstellungsreihe „Zeitenwende 1918/19 eingebettete Schau im Stadtmuseum.

Bis 28. April zeigt sie  zweisprachig politische, kulturelle und wirtschaftlichen Verflechtungen der Nachbarregionen seit der Annexion des Elsass durch das deutsche Reich 1870/71, die Folgen der Trennung nach 1918 und der erneuten Okkupation durch die Nazis. Schlaglichter auf die heutige deutsch-französische Freund¬schaft werfen vom Centre Culturel eingebrachte Kunstprojekte. Tami Notsani fotografierte deutsch-französische Paare, um emotionale Verbundenheit zu zeigen.

Mit gegenseitigem Verstehen beschäftigt sich Laurent Marechal in einem Gedicht aus dem Ersten Weltkrieg und  einer Installation, in der die Sprache der „Anderen“  ohne sie zu können, nachgesprochen wird. Zu Beginn der Präsentation erscheint deutsche Propaganda im Krieg von  1870/71 auf einem Ölgemälde des Historienmalers Anton von Werner. Es zeigt  die Aufbahrung des im Gefecht bei Weissenburg 1870 gefallenen, französischen  Generals Abel Douay in einem Gehöft. Der preußische Kronprinz Friedrich Wilhelm und seine Offiziere erweisen dem toten Feind die letzte Ehre.

Damit kontrastiert Kurator Dr. Peter Pretsch  die Verherrlichung des Luftangriffs auf Karlsruhe am 22. Juni 1916 durch den französischen Maler Henri Farré, der die 120 Toten ausblendet. Fotos zeigen nach 1871 die Straßburger Filiale des Kaufhauses Knopf, mit Stammsitz in Karlsruhe (heute Karstadt), wie des grenzüberschreitend arbeitenden Unternehmens Dyckerhoff und Widmann. Den Rhein als Transportader symbolisiert ein großes Schiffsmodell der Kohlehandlung Raab Karcher.

Zeichnungen des elsässischen Karikaturisten Jean-Jacques Waltz nehmen autoritäre kaiserliche Beamte und Militärs aufs Korn. Ganz in Sinne „Hansis“ war die Ausweisung von bis zu 6000 Menschen, die dann in Karlsruhe Wohnungen brauchten. Dafür stehen Pläne von Wohnhäusern in Weiherfeld und elsässisches Steingutgeschirr. Beeindruckend ist Adolf Bühlers Bild  des „Umsturzkanzlers“ Prinz Max, das Trauer über das Ende der Monarchie  und visionären Aufbruch bei der Erziehung des neuen Menschen in Salem symbolisiert. Modellfotografien zeugen von nazistischen Großmachtsplänen für den nicht umgesetzten Ausbau von Straßburg als Gauhauptstadt. Den Beginn der Städtepartnerschaft mit Nancy  dokumentieren Fotos der Lehrerin Elisabeth Teichmann vom Lessinggymnasium die 1955 den ersten Schüleraustausch initiierte. (Führungen am 18. und 22. November, 15 beziehungsweise 17 Uhr.

 
 

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