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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 23. November 2018

Gemeinderat: Belebende Kultur-Akzente gesetzt

DIE MAJOLIKA AM AHAWEG hängt seit Jahren am städtischen Tropf. Ein Investor will ihr zu neuem Glanz verhelfen. Foto: Fränkle

DIE MAJOLIKA AM AHAWEG hängt seit Jahren am städtischen Tropf. Ein Investor will ihr zu neuem Glanz verhelfen. Foto: Fränkle

DER KARLSRUHER JAZZCLUB, kürzlich mit dem bundesweit ausgelobten Spielstättenpreis für hervorragendes Programm ausgezeichnet, feiert im kommenden Jahr sein 50-jähriges Bestehen. Foto: Bastian

DER KARLSRUHER JAZZCLUB, kürzlich mit dem bundesweit ausgelobten Spielstättenpreis für hervorragendes Programm ausgezeichnet, feiert im kommenden Jahr sein 50-jähriges Bestehen. Foto: Bastian

 

Politik zieht bei Etat-Beratungen an einem Strang. Zukunft der Majolika und zu „Kultur im Passagehof“

In der Karlsruher Kultur ist vieles in Bewegung – das bildet der Kulturetat 2019/2020 ab. Was über Jahre festgefahren schien, löst sich aus der Starre. Ein Investor will die oft totgesagte Majolika beleben, der Jazzclub hat nach Jahren der Wanderschaft als Untermieter der Kinemathek ein festes Domizil in Aussicht.

Mehrere Stunden verhandelte das Gremium über knapp 150 Änderungsanträge, beschied viele positiv und bekannte sich zu einer breitgefächerten Kulturszene, die bereichere und die Gemeinschaft stärke. Bei der kriselnden Majolika geht es um nicht weniger als einen Neustart. Die Zeller Keramik-Manufaktur will den Karlsruher Traditionsbetrieb übernehmen und zum national und international ausstrahlenden keramischen Zentrum mit Fokus auf Kunst ausbauen.

Mit großer Mehrheit befürwortete der Gemeinderat die Pläne des Investors und beauftragte die Verwaltung mit der Prüfung des Vorhabens – mit Vorgaben. So komme der Verkauf des Geländes am Ahaweg nicht infrage. Auch müsse die künstlerisch hochwertige Majolika-Linie klar erkennbar bleiben. „Wir stehen noch am Anfang“, dennoch markiere die aktuelle Entwicklung einen „Wendepunkt“ in den Bemühungen um die Rettung des „Sorgenkinds“, gab CDU-Stadträtin Dr. Rahsan Dogan einen „Vertrauensvorschuss“.

Das Konzept habe Potenzial, mache die Majolika zukunftsfähig. Man habe auf einen Investor gehofft, „jetzt ist er da“, war auch Elke Ernemann (SPD) zuversichtlich. Sie erwarte schwierige Verhandlungen, sah darin aber „die einzige Überlebenschance“. Die Ideen stünden dem Charakter der Majolika als „besonderem Ort“ inmitten eines Landschaftsschutzgebiets entgegen, kritisierte Dr. Ute Leidig für die Grünen. Sie schlug vor, die Produktion auf dem Gelände aus wirtschaftlichen Gründen aufzugeben und sie an anderer Stelle anzusiedeln.

Die KULT-Fraktion war gespalten in „Fürsprecher“ Erik Wohlfeil und Skeptiker Lüppo Cramer, der „kein zweites Soufflenheim“ wollte. Eine „Flut von Fragen“ ergab sich für FDP-Stadtrat Thomas Hock aus dem noch „unklaren Konzept“. Etwa nach der Reaktion der Künstler und danach, was wäre, wenn der Unternehmer die Produktion schlösse. Von allen Optionen sei diese die beste, war AfD-Stadtrat Dr. Paul Schmidt überzeugt, Jürgen Wenzel (FW) sprach gar von einer „Bluttransfusion“ für einen totgesagten Patienten. „Diese Lösung schickt uns der Himmel“, jubelte Friedemann Kalmbach (FÜR Karlsruhe).

Belebende Impulse für den Passagehof verspricht sich der Gemeinderat von einem Kulturhaus im Gebäude des Kurbel-Kinos. Derzeit bespielt die Kinemathek das Haus allein, auf Dauer gerne gemeinsam mit dem Jazzclub als Untermieter. Für den Umbau weist der Etatplan 380.000 Euro mit Sperrvermerk aus; sobald Planung und Kosten stehen, fließen die Mittel. Die CDU misst dem Thema „große Bedeutung“ bei, verband Klaus Heilgeist damit doch die „städtebauliche Aufwertung des Areals.“ „Sehr optimistisch“ war SPD-Stadträtin Ernemann, GRÜNE-Stadträtin Leidig sprach von einer prinzipiell guten Idee, die genauerer Betrachtung bedürfe. Als bereichernd wertete KULT-Stadtrat Michael Haug die Lösung, erinnerte aber auch an gescheiterte Ansätze der Vergangenheit, das Geld sei „futsch“.

Mehr Zuschüsse erhalten der KOHI-Kulturraum (9.000 Euro), die Literarische Gesellschaft (11.000 Euro), der Verein Ausgeschlachtet (30.000 Euro) und Theater wie „Die Käuze“ (12.000 Euro), Jakobus-Theater (6.800 Euro) oder das Figurentheater Marotte (12.000 Euro). Neu im Club der Geförderten sind etwa die „Freunde der KlangKunst Weststadt“ (10.000 Euro). Professionelle Soundtechnik können sich Substage und Tempel mit städtischer Hilfe zulegen und für die Jubiläen von ZKM, GEDOK und Jazzclub gibt es einmalige Extras. Nicht durchsetzen konnten sich Die Linke mit ihrem Antrag auf Rücknahme der 2017 beschlossenen Gebührenerhöhung bei der Stadtbibliothek sowie die KULT, die für den Erhalt der Garnisonskirche in Knielingen plädierte. Weil bei den "Wochen gegen Rassisimus" gegen die AfD gehetzt werde, beantragte sie die Streichung der Mittel - und scheiterte. Damit habe die AfD "ihre bürgerliche Maske fallen lassen“ kommentierte SPD-Stadtrat Michael Zeh. -maf-

 

 
 

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