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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 30. November 2018

Klärwerk: Jetzt auch Medikamente rausfiltern

SYMBOLISCHER SPATENSTICH für die neue Kohleadsorptionsstufe im Karlsruher Klärwerk. In der Mitte schippen Bürgermeister Daniel Fluhrer und RP-Abteilungsleiter Markus Schüller.  Foto: Fränkle

SYMBOLISCHER SPATENSTICH für die neue Kohleadsorptionsstufe im Karlsruher Klärwerk. In der Mitte schippen Bürgermeister Daniel Fluhrer und RP-Abteilungsleiter Markus Schüller. Foto: Fränkle

 

Erster Spatenstich für neue Kohlenadsorptionsstufe im Klärwerk / Landeszuschuss

Für die neue Adsorptionsanlage im Klärwerk setzten Baubürgermeister Daniel Fluhrer und Markus Schüller vom Regierungspräsidium vor einer Woche den ersten Spatenstich. Die Anlage soll das Abwasser von Phosphor (zum Verhindern übermäßigen Pflanzenwachstums in Gewässern) und Spurenstoffen wie Medikamenten, Pestiziden, PFC, Flammschutzmittel oder Hormonen reinigen.

Innerhalb der rund 73 Millionen Euro teuren vierten Reinigungsstufe leiste die mit etwa 32 Millionen Euro veranschlagte Kohle-Adsorptionsstufe einen großen und nachhaltigen Beitrag zum Gewässerschutz, erklärte Schüller. Deshalb fördere sie das Land mit 20 Prozent der Baukosten. Fertigstellung soll 2021 sein. Bisher haben neben Stuttgart nur noch Mannheim und Pforzheim eine vierte Reinigungsstufe.

Fluhrer zufolge ist die neue Adsorption in zwei Straßen aufgeteilt. Jede Straße umfasst je drei Kontaktbecken mit zirka 1.870 Kubikmetern Inhalt. Dort wird dem biologisch gereinigten Abwasser Pulver-Aktiv-kohle beigemengt, sodass die im Abwasser noch gelösten Spurenstoffe gebunden werden. Anschließend gelangt das mit Aktivkohle vermischte Abwasser in ein jeweils dazugehöriges Sedimentationsbecken von 8.200 Kubikmetern. Hier wird die Aktivkohle vom Abwasser abgetrennt und in den Prozess zurückgeleitet.

Ein Teil der beladenen Aktivkohle wird aus dem Verfahren ausgeschleust und mit dem Klärschlamm auf der Anlage verbrannt. Das vorgereinigte Abwasser wird über die Sandfiltration geleitet, um die letzten Reststoffe zu beseitigen, und in den Klärwerksablauf eingeführt. Jede Behandlungsstraße kann separat gefahren werden.

Das Klärwerk Karlsruhe als zweitgrößtes im Land reinigt das im Stadtgebiet und in den angeschlossenen Kommunen produzierte Abwasser (rund 35 Millionen Kubikmeter jährlich / eine Million Liter pro Tag) von 875.000 so genannten Einwohnerwerten. In drei Verfahrensschritten werden zuerst grobe Inhaltsstoffe sowie Sand und Fett entfernt, die organische Belastung abgebaut und schließlich die Nährstoffe Stickstoff und Phosphor eliminiert. Um die gesetzlich geforderten Ablaufwerte derzeit sicher und stabil einhalten zu können, wurde nach wissenschaftlich begleiteten Versuchsreihen der Bau einer vierten Reinigungsstufe beschlossen: bestehend aus einer Filtrationsanlage zur Rückhaltung von Feinststoffen sowie einer Aktivkohleadsorptionsstufe.

Da die Filtrationsanlage demnächst fertig ist, folgt nun die Aktivkohleadsorption. Die von ihr bewirkte Reduktion von Spurenstufen um etwa 80 Prozent, für die es noch keine gesetzlichen Vorgaben gibt, war bisher bei der Abwasserreinigung nicht behandelbar oder aus dem Ablauf einer Kläranlage entfernbar. -cal-

 
 

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