Sprung zur Navigation. Sprung zum Inhalt, Sprung zur Suchmaschine

Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 14. Dezember 2018

Gemeinderat: Ängsten auf den Grund gehen

Bericht zu öffentlicher Sicherheit und Ordnung / Trotz rückläufiger Straftaten fühlen sich Bürger unsicherer / Sicherheitsaudits geplant

Sachlich betrachtet ist Karlsruhe eine vergleichsweise sichere Großstadt, die Zahl polizeilich registrierter Straftaten sogar rückläufig. Dennoch fühlen sich Bürgerinnen und Bürger vor allem in der Innenstadt und speziell bei Dunkelheit zunehmend unsicher. Zu diesem Ergebnis kommt der vierte Bericht zur öffentlichen Sicherheit und Ordnung.

Der Gemeinderat nahm die vorgelegte Analyse zur Kenntnis und zog Konsequenzen daraus. Was sich ändern muss, sollen demnach in Kooperation mit der Uni Heidelberg Sicherheitsaudits, zuerst in Oberreut und in der Innenstadt, klären. In ihrer Wohngegend wissen sich über 80 Prozent der 5 929 vom Amt für Stadtentwicklung Befragten tagsüber gut aufgehoben, bei Dunkelheit sinkt der Wert hingegen auf nur 31,1 Prozent.

Weiter zugespitzt hat sich die Situation in Karlsruhes Innenstadt: Insgesamt 44 Prozent der Interviewten fühlen sich in den Abend- und Nachstunden unwohl, vor vier Jahren waren es noch 37,2 Prozent. Aus Sicherheitsgründen werden innerstädtische Orte gemieden von nachts fast drei Vierteln (72,7 Prozent) und immerhin einem Drittel (33,2 Prozent) am Tag. Ganz vorne rangiert der Europaplatz, aber auch Kronen- oder Werderplatz punkten nicht mit „Aufenthaltsqualität“. Am meisten fürchtet ein Fünftel die Massierung enthemmter Betrunkener sowie jugendlicher Migrantengruppen.

Obwohl die Fakten eine andere Sprache sprächen, ziehe sich die deutliche Verschlechterung des subjektiven Sicherheitsempfindens als „roter Faden durch alle öffentlichen Bereiche“, erklärte Dirk Müller. Für den CDU-Stadtrat war die Entwicklung nicht länger hinnehmbar, Nachbesserungen seien „unumgänglich“. Die SPD nehme die Umfrageresultate „sehr ernst“, sagte Parsa Marvi.

Diffuse Ängste zu zerstreuen sei jedoch schwierig, eine Patentlösung gebe es nicht. Die öffentliche Debatte und die Fokussierung der Medien auf Einzelfälle befeuerten das Unwohlsein, kritisierte GRÜNE-Stadtrat Joschua Konrad. KULT-Stadtrat Uwe Lancier setzte auf die Verbesserung gefühlter Sicherheit und dabei auf Faktoren wie Licht und Sauberkeit .

Einen „klaren Handlungsauftrag“, den kommunalen Ordnungsdienst weiter aufzustocken, erkannte FDP-Stadtrat Thomas Hock. Dr. Paul Schmidt (AfD) kritisierte die Sicherheitsaudits mit dem Kriminalsoziologen Prof. Dr. Dieter Hermann: Statt Angstursachen zu bekämpfen, versuche man, „die Leute umzuerziehen“. Die Statistiken bedürften differenzierter Betrachtung, wehrte sich Sabine Zürn (Die Linke) gegen die „Dämonisierung bestimmter Bevölkerungsgruppen“.

Die Gesellschaft verrohe, machte Friedemann Kalmbach (FÜR Karlsruhe) als Teil des Problems aus und warb für respektvollen Umgang und soziale Kontrolle. Eine geschönte, geradezu märchenhaft anmutende Kriminalstatistik warf der parteilose Stadtrat Stefan Schmitt der Stadt vor. Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup verwahrte sich gegen derlei Unterstellungen, Schmitt treibe ein „schlimmes Spiel“. -maf-

 
 

Zur Übersicht der Wochenausgabe