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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 14. Dezember 2018

Kultur: Afrikas digitale Kluft

CORE DUMP VON FRANCOIS KNOETZE untersucht den Lebenszyklus von Konsumgütern und erweckt Schrott zu neuem Leben. Foto: Münster

CORE DUMP VON FRANCOIS KNOETZE untersucht den Lebenszyklus von Konsumgütern und erweckt Schrott zu neuem Leben. Foto: Münster

 

ZKM zeigt vernetzten Kontinent im radikalen Wandel

Die Zukunft hat viele Gesichter. Die meisten davon sind durch den Einfluss globaler Digitalisierungsprozesse geprägt. Mit der Ausstellung „Africas in Production“, der dritten Station des Projekts „Digital Imaginaries“, nimmt sich das Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) der Vorstellungswelten und Realitäten des Kontinents mit der weltweit jüngsten Bevölkerung an.

Neben dem, was zuvor in Dakar und Johannesburg zusammengetragen wurde, werden in Karlsruhe zahlreiche neue Werke präsentiert. Die Videos, Fotografien, Skulpturen und Installationen stammen aus Gabun, Kenia, Marokko, Nigeria, dem Senegal, Südafrika, Togo, Sambia und Simbabwe sowie von der afrikanischen Diaspora in Frankreich, Großbritannien und den USA. Ihnen gemein ist die Darstellung eines zum Teil radikalen Wandels, der gleichermaßen Chancen und Risiken birgt und eine neue digitale Ungleichheit hervorbringt.

Denn obwohl Vernetzung nahezu universell verfügbar ist, tritt eine Kluft zwischen denen zutage, die Technik nur nutzen und denjenigen, die entstehende Daten sammeln, manipulieren und marktwirtschaftlichen Nutzen daraus ziehen. Besucherinnen und Besucher der Ausstellung erleben diesen Zwiespalt hautnah. „HubCités Africaines“ zeigt zum Beispiel die Stadt Lomé in Togo als futuristisches Innovationszentrum, bei dem Siedlungsprinzipien afrikanischer Dörfer einbezogen werden.

Im Nebenraum weicht dann die symbolisch aufgeladene und klar strukturierte Anordnung dem apokalyptisch wirkenden Szenario „Core Dump“, das mit Installationen und Videokunst eine beklemmende Stimmung vermittelt. Berge von Technikschrott und Kabeln bilden die Kulisse für die Projektion von Filmen, in denen die Grenze zwischen Mensch und Maschine verschwimmt und mit Ersatzteilen und Masken Cyborgs erschaffen werden. Auf direkte Wirkung setzt auch „Lead the Way“.

In einem abgedunkelten Raum voller bunter Elektrokleinteile und durchsichtiger Bildtafeln lassen robotergesteuerte Projektionen auch die Betrachtenden zum Teil einer Landschaft aus Licht und Schatten werden. Während sie bei „Everything Is a Border“ vor einem nahezu raumfüllenden Käfig stehen, der bei grellem Licht alles ausschließt. -gem-

 
 

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