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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 9. Februar 2018

Kultur: Was so alles im Depot schlummert

FACETTEN DER MALEREI wie der von Walter Stöhrer (links) und Georg Baselitz (rechts), aber auch einige wenige Skulpturen rückt die Städtische Galerie bei „Umgehängt 2018“ in den Blick. Foto: Bastian

FACETTEN DER MALEREI wie der von Walter Stöhrer (links) und Georg Baselitz (rechts), aber auch einige wenige Skulpturen rückt die Städtische Galerie bei „Umgehängt 2018“ in den Blick. Foto: Bastian

„BÄCKERBLUME“ (1965) von Sigmar Polke. Foto: pr/SG

„BÄCKERBLUME“ (1965) von Sigmar Polke. Foto: pr/SG

 

Die Städtische Galerie hat „umgehängt“ und beleuchtet „Facetten der Malerei 1960 - 2010“

Wiedersehen macht Freude. Mit „Umgehängt“, der jährlichen Neuordnung ihrer rund 15 000 Werke aus eigenem Bestand und der Sammlung von Ute und Eberhard Garnatz, rückt die Städtische Galerie aus Platzgründen Ausgelagertes ans Licht. So lässt sich im ersten Obergeschoss des Museums Vertrautes neu entdecken, begegnen Kunstfreunde selten oder bislang nie gezeigten Arbeiten.

Dieses Mal nimmt die Galerie mit „Facetten der Malerei“ aus den Jahren 1960 bis 2010 ein gerne totgesagtes, sich immer wieder neu erfindendes Medium in den Blick. Ab den 60er-Jahren erweiterten die Maler ihre Möglichkeiten, sprengten Gattungsgrenzen, experimentierten mit Farbe, Material und Formen.

Darunter auch einer, der die Kunstwelt ab 1969 förmlich auf den Kopf stellte und gerade seinen 80. Geburtstag feierte – Georg Baselitz. In der aktuellen Sammlungsschau findet sich etwa „Der Exote“ (1966) aus der Motivreihe der Heldenbilder. Baselitz stellt den plakativen Darstellungen nationalsozialistischer und später ostdeutscher Propaganda eine verletzlich und verloren wirkende Figur neuen Typs gegenüber. „Ohne Titel“ von 1982 entstand während seiner Karlsruher Zeit als Professor an der Kunstakademie, es zeigt den Torso eines geschundenen Menschen verkehrtherum.

Auch Sigmar Polke befreite sich von künstlerischen Vorgaben. Anders als Baselitz griff er Impulse der Pop-Art und Trivialitäten des Alltags ironisch auf. Sein Reiherpärchen (1969) versinnbildlicht die Ausstattung kleinbürgerlicher Wohnzimmer mit Zeitgeist-Nippes, als Leinwand dient ihm Biberbettwäsche. Das Konterfei des Bäckermeisters der Zeitung „Bäckerblume“ und dessen nahrhafte „Berliner“ lässt er in schwarz-weißen Rasterpunkten verschwimmen. Jörg Immendorff entsorgt comicartig verfremdete Politiker der 70er Jahre auf dem „Abfallhaufen der Geschichte“ und lädt ein ins „Café Deutschland“.

Protagonisten der Bildergeschichten zu Zeiten deutsch-deutscher Teilung sind Immendorff selbst und sein in der DDR lebender Malerfreund A.R. Penck. Teil Vier der Serie von 1978 zeigt die beiden inmitten von Spitzeln am Cafétisch, gemeinsam ihre Version der Flucht malend. Weitere Begleiter auf der Reise durch ein halbes Jahrhundert Kunstgeschichte sind etwa Emil Schumacher, Otto Piene, Bernard Schulze, Peter Brüning, Walter Stöhrer oder Franz Ackermann, aber auch Hanna-Nagel-Preisträgerinnen wie Sabine Funke oder jüngst Gundula Bleckmann. -maf-

„Umgehängt: Facetten der Malerei 1960 - 2010“ läuft bis Februar 2019 in der Städtischen Galerie. Öffnungszeiten: mittwochs bis freitags von 10 bis 18 Uhr, samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr.

 
 

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