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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 9. Februar 2018

Leichte Sprache: Genitiv wird schlecht verstanden

GEGRÜNDET HAT SICH das Karlsruher Netzwerk Leichte Sprache Ende Januar. Mit dabei sind zwölf Partner. Foto: Stadt Karlsruhe

GEGRÜNDET HAT SICH das Karlsruher Netzwerk Leichte Sprache Ende Januar. Mit dabei sind zwölf Partner. Foto: Stadt Karlsruhe

 

Fördermittel ermöglichen Karlsruher Netzwerk für Leichte Sprache / Zwölf Netzwerkpartner im Boot / Projekt läuft zunächst bis Ende 2018

Kurze Sätze, Hauptwörter mit Bindestrich, Bilder und kein Genitiv. So könnte man „Leichte Sprache“ zusammenfassen. Entwickelt haben diese Schreib- und Sprechweise Menschen mit geistigen und kognitiven Einschränkungen – für Menschen mit ebensolchen Handicaps.

Um für die Idee der Leichten Sprache zu werben und langfristig Kompetenzen zu bündeln, hat sich in Karlsruhe nun das Netzwerk Leichte Sprache gegründet. Mit im Boot sind zwölf Partner, etwa soziale, sonderpädagogische sowie kirchliche Verbände und Einrichtungen oder der Behindertenbeirat. „Wir sind offen für weitere Allianzen“, betont die kommunale Behindertenbeauftragte Ulrike Wernert, Initiatorin des neuen und zunächst bis Ende 2018 laufenden Projekts.

Bis dahin wollen die Netzwerkpartner mit Infoveranstaltungen, Workshops und Öffentlichkeitsarbeit ein gesellschaftliches Bewusstsein für die Leichte Sprache schaffen. Profitieren könnten davon nicht nur Menschen mit geistigen Einschränkungen, sondern auch Analphabeten, Menschen mit Migrationshintergrund, ältere Leute mit beginnender Demenz sowie Menschen mit einer Seh- oder Hörbehinderung. Das Karlsruher Netzwerk finanziert sich mit 17.500 Euro aus dem Fördertopf „Impulse Inklusion“ des baden-württembergischen Sozialministeriums. „In den vergangenen Jahre gab es immer wieder Vorstöße für Projekte zur Leichten Sprache“, erzählt Wernert. Diese seien aber meist eingeschlafen. Nun soll es also losgehen.

Den nötigen Schwung hat auch das vom Gesetzgeber verankerte Recht auf barrierefreie Kommunikation gebracht. Hier sind die Kommunen aufgerufen, ihre Bescheide, Verträge oder Vordrucke in einfacher und verständlicher Sprache zu erläutern. Auf den Internetseiten der Bundesbehörden ist die Leichte Sprache bereits integriert und aufrufbar. Interessant könnte das Thema jedoch für alle Lebensbereiche werden: Bebilderte Speisekarten, barrierefreie Webseiten oder Hologramme von Veranstaltungen sind nur ein Ausschnitt. „Es schießen schon viele Übersetzungsbüros aus dem Boden, selbst wenn es in Deutschland lange gedauert hat“, erläutert Andrea Sauermost, Pressereferentin der ebenfalls im Netzwerk involvierten Lebenshilfe Karlsruhe, Ettlingen und Umgebung. Sie erinnert auch an Gebrauchsanweisungen, die mit Leichter Sprache eventuell neue Kundengruppen erschließen könnten. Studien legen übrigens nahe, dass sogar mehr als 50 Prozent der Bevölkerung Probleme mit einem Sprachniveau haben, das als „normal“ gilt. -bea-

 
 

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