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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 11. Januar 2019

100 Jahre Frauenwahlrecht: Auf dem Weg zur Gleichberechtigung

Die Ausstellung über politische Pionierinnen im neuen Ständehaus schauen Dr. Barley und OB Dr. Mentrup an. Foto: Fränkle

Die Ausstellung über politische Pionierinnen im neuen Ständehaus schauen Dr. Barley und OB Dr. Mentrup an. Foto: Fränkle

 

Empfang zu 100 Jahren Frauenwahlrecht in Baden mit Justizministerin Barley

„Votes für women“, mit der Forderung der frühen englischen Frauenrechtlerinnen nach dem Wahlrecht für Frauen krönten der Suffragettenchor des Fichtegymnasiums und Schauspielerinnen des Staatstheaters szenisch den Empfang zu 100 Jahren Wahlrecht.

In Baden bekamen sie es erstmals in Deutschland am 5. Januar 1919, zwei Wochen vor dem Reich. Anlass für Stadt wie das Forum für Kultur, Recht und Technik  in das Neue Ständehaus am Ort des ersten deutschen Parlaments einzuladen. Und für OB Dr. Frank Mentrup neben vielen Aktiven aus Gesellschaft und Politik auch Bundesjustizministerin Dr. Katarina Barley zu begrüßen.

In Karlsruhe sei man schon immer voraus gewesen, nannte Mentrup Offenheit für Menschen aus allen Himmelsrichtungen bereits 1715, einklagbare Bürgerrechte mit der ersten deutschen Verfassung 1818 samt Parlamentsbau 1822 und das Mädchengymnasium 1893. In der Novemberrevolution 1918 setzte der Rat der Volksbeauftragten das Frauenwahlrecht gegen erhebliche Widerstände durch, 80 Prozent der Frauen gingen zur Wahl, neun Damen kamen in den Badischen Landtag, darunter die „politischen Pionierinnen“, so der OB, Kunigunde Fischer (SPD) und Clara Siebert (Zentrum).

Als Vorkämpfer erwähnte Mentrup den Sozialdemokraten August Bebel im Reich und den Linksliberalen Oskar Muser im Ständehaus. Moderiert von Forum-Geschäftsführerin Dr. Dorothee Schlegel, ging es dann im Gespräch um das Hier und Jetzt.  „Ich bin immer wieder erstaunt, wie beharrlich trotz aller Gesetze die Widerstände gegen Gleichberechtigung sind“, zählte Barley etwa die Debatte über Vergewaltigung in der Ehe noch 1997 auf oder, dass es in Lokalredaktionen nur zwei Prozent Chefredakteurinnen gebe.

Daher sei die Ergänzung von Artikel 3 des Grundgesetztes um das Fördergebot (Der Staat fördert die tatsächlich Durchsetzung der Gleichberechtigung und wirkt auf Beseitigung bestehender Nachteile hin) „der Zauberstab“. Um der  derzeit sinkenden Zahl von Frauen in Parlamenten (nur noch 29,2 Prozent im Gemeinderat)  entgegen zu wirken, schlug Mentrup  vor,  Listenwahlen mit der Hälfte der Plätze für Frauen einzuführen und bedauerte, dass auf Listen kleinerer Parteien nur Männer oben platziert waren.

Eine Debatte über die möglichen Modelle eines Paritätsgesetzes wünschte sich Barley. Erst die „Krücke“ Frauenquote habe Fortschritte gebracht. In der Familie müsse die Sorgearbeit gleich verteilt sein, beide Partner nur 75 Prozent arbeiten, um Zeit für Kinder und sich zu haben. Dafür brauche es, ergänzte der OB, ganztägige Kinderbetreuung als Regel, Teilzeitstudien,  Übernahme der Verantwortung für die Kinder durch Männer und einen familienfreundlichen Politikbetrieb, der wie in Skandinavien um 17 Uhr ende.-cal-

 
 

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