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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 1. Februar 2019

Gemeinderat: Ja zur Innenverdichtung

Auslegungsbeschluss „Fasanengarten“ für barrierefreies Wohnen der Hardtwaldsiedlung / Plenum wägt unterschiedliche Raumbedürfnisse ab

Innenverdichtung ist nicht leicht. Das betonte jeder im Gemeinderat, als es beim letztlich klar gefassten Einleitungs- und Auslegungsbeschluss zum Bebauungsplan „Wohnen im Fasanengarten westlich der Parkstraße“ darum ging, das eigene Abwägen von nachvollziehbarer Befindlichkeit der Nachbarschaft und Wohnungsnot zu begründen.

Im Baublock von Karl-Wilhelm- und Emil-Gött-Straße, Am Fasanengarten, Parkstraße möchte die Genossenschaft Hardtwaldsiedlung im nördlichen Blockinnern sieben Gebäude plus Kopfbau für 65 Wohnungen errichten. Als Reaktion auf die große Nachfrage nach altersgerechtem, barrierefreien Genossenschaftswohnen.

Wer, wie CDU, SPD, GRÜNE, Für Karlsruhe, Die Linke, FDP und Teile der KULT, für das Vorhaben stimmte, nahm für sich in Anspruch, sich die Entscheidung nicht leicht gemacht zu haben. Fällt doch Mietwohnungen und betreutem Wohnen Grün zum Opfer. Mit einer Bebauung von deutlich weniger als der Hälfe der Gartenfläche wird das Erscheinungsbild der denkmalgeschützten Sachgesamtheit noch verträglich beeinträchtigt, hieß es dazu in der Vorlage der Verwaltung.

Stadtrat Michael Zeh (SPD), Johannes Honné (GRÜNE) und FDP konnten sich gut vorstellen, auf die Gebäude (zweigeschossig plus Staffelgeschoss) eine Etage drauf zu packen, dafür die Anzahl der Häuser im Innern zu reduzieren. Deshalb nach langem Prozess von vorne zu beginnen, „wäre aber für die Mitglieder der Genossenschaft nicht fair“, fand FDP-Stadtrat Tom Høyem.

Zumal dem der Denkmalschutz entgegensteht, für den der denkmalgeschützte Bestand bei höherer Bebauung nicht angemessen berücksichtigt wird. Auf den Denkmalschutz zurück geht der Erhalt der bauhistorisch bedeutsamen Garage von 1935, künftig unter anderem für Fahrräder genutzt. Selten sei ein Projekt so gut vorbereitet und fachlich durchdrungen worden, sah CDU-Sprecher Tilman Pfannkuch keinen Grund, der „hervorragenden Planungsarbeit“ das Ja zu versagen. Angesichts der Wohnungsnot gebe es zurecht die Forderung, den Innenbereich der Stadt angemessen zu nutzen – trotz Befindlichkeiten der Nachbarschaft.

Die durchweg von direkt Betroffenen formulierten Bedenken könne er verstehen, so SPD-Stadtrat Zeh, gleichwohl sehe seine Fraktion im bezahlbaren Wohnraum das wichtigere Anliegen. Nicht optimal, was Anzahl und Abstand der Gebäude angeht, dennoch könnten die GRÜNEN so zustimmen, meinte Honné, der auf Dachbegrünung und den Umstand hinwies, dass in die Neubauten einziehende ältere Menschen bestehende größere Wohnungen für junge Familien frei machen. Möglichst viel Grün sei erhalten worden, meinte Friedemann Kalmbach (Für Karlsruhe).

Klima sei wichtig, „aber doch bitte mit großen zugebauten Projekten beginnen und nicht mit einem solchen Projekt, das mit klimagünstigem Umbau vielfältige Interessen der Genossenschaft berücksichtige“, hielt Linke-Stadträtin Sabine Zürn den Kritikern Jürgen Wenzel (FW), Dr. Paul Schmidt (AfD) und Lüppo Cramer (KULT) entgegen. Wieder konterkariere eine Planung das Geminderats-Votum, wonach „Belange des Klimaschutzes gleichrangig wie die des Wohnungsbaus zu sehen sind“, ärgerte sich Cramer. Auch Schmidt sah das Mikroklima - Stichwort Durchlüftung - zu wenig beachtet. Alle Faktoren zusammengenommen, stimmte er wie Cramer und Wenzel mit Nein. -rie-

 
 

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