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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 15. März 2019

TramTrains: Gemeinsam stärker und günstiger

DER BEDARF an Fahrzeugen, die das Karlsruher Modell weiterentwickelt aufrechterhalten, bleibt hoch. Mit der nun geplanten Großbestellung sollen ab 2028 rund 150 neue, günstigere Bahnen rollen. Foto: Fränkle

DER BEDARF an Fahrzeugen, die das Karlsruher Modell weiterentwickelt aufrechterhalten, bleibt hoch. Mit der nun geplanten Großbestellung sollen ab 2028 rund 150 neue, günstigere Bahnen rollen. Foto: Fränkle

GEMEINSAM: Als Modell ist die angestrebte Standardbahn weiß. OB Mentrup (v.) freut sich wie alle Beteiligten auf den VDV TramTrain. Foto: Fränkle

GEMEINSAM: Als Modell ist die angestrebte Standardbahn weiß. OB Mentrup (v.) freut sich wie alle Beteiligten auf den VDV TramTrain. Foto: Fränkle

 

Fünf Verkehrsunternehmen haben Kooperationsvertrag unterzeichnet / Bestellung von 240 TramTrains mit Ersparnis von je einer Million Euro geplant

„Gemeinsam sind wir stärker“: Leitendes Motto eines Verkehrsbetriebe-Quintetts, das Geld, Zeit und Ressourcen über eine gemeinsame Großbestellung von rund 240 TramTrains sparen möchte. Initiiert durch Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) und Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) haben die Akteure ein Standardbahn-Konzept erarbeitet.

Um rund eine Million Euro soll der Stückpreis pro Fahrzeug so gesenkt werden können. „Das Lastenheft ist fertig. Nach der Sommerpause wollen wir EU-weit ausschreiben“, erklärte AVG- und VBK-Geschäftsführer Ascan Egerer am Montag den Medien und sprach von einer Pionierarbeit zu neuartiger Kooperation. Durch die Fächerstadt und die Region sollen ab 2028, wenn ein signifikanter Teil des Bestands die Lebensdauer von rund 30 Jahren erreicht hat, mit etwa 150 die meisten der geplanten Zweisystemfahrzeuge rollen. Das international anerkannte Karlsruher Modell, das seit gut einem Vierteljahrhundert Eisen- und Stadtbahn-, Regional- und Lokalverkehr vereint, soll auch über Saarbrücken und Chemnitz weiterverfolgt, in der Region Neckar-Alb etabliert werden. Den wegweisenden Vertrag unterzeichneten nun Verantwortliche der entsprechenden Verkehrsunternehmen.

Diesen Schritt begrüßte der Aufsichtsratsvorsitzende von AVG und VBK, Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup, als essenziell für die „Weiterentwicklung des Karlsruher Modells“. Konnten sonst in dieser Nische immer nur kleine Stückzahlen geordert werden, besteht nun über Anschaffung, Prüfungen und Instandhaltung veritables Einsparpotenzial. Weitere Partner seien jederzeit herzlich willkommen, sich auch zu beteiligen. „Es zeigt sich doch zusehends, dass sich die Aufteilung der Welt in Eisenbahnen und Straßenbahnen nicht halten lässt.“ Gäste von auswärts sollen eben auch künftig nicht am Hauptbahnhof umsteigen müssen, sondern direkt am beziehungsweise bald unter dem Marktplatz ankommen können. „Eine Antwort für alle“ biete dieses bewährte Prinzip auch deshalb, weil die „Binnenerschließung außerhalb der Stadt viel kleinteiliger“ erfolgen könne. Mehr Haltestellen, mehr gebotene Attraktivität des öffentlichen Nahverkehrs hob Mentrup also als weiteren Vorteil dieser Strategie hervor.

Nach gemeinsamen Anstrengungen zu größtmöglicher Annäherung und Standardisierung seit Juli 2017 sieht Projektleiter Thorsten Erlenkötter (VBK) die zu lösenden Probleme wie unterschiedliche Einstiegshöhen auch über verschiedene Varianten gelöst. Unterschiedliche Ausstattungen und Gestaltungen bleiben ohnehin allen Beteiligten unbenommen, die Bahnen für Karlsruhe sollen auch künftig Gelb und Rot daherkommen. Ähnlich eines Auto-Konfigurators bleibe die Individualisierung offen. Beispielsweise erforderten die Lichter eine gemeinsame systemische Lösung, innerhalb derer dann das Aussehen entschieden werden kann. Für die gesamte Front, Toiletten, Mehrzweckbereiche, Haltestangen, Sitze gilt das Gleiche. Aber, wie eine Broschüre zum „Beschaffungskonzept der Zukunft“ erklärt: Durch Sonderzubehör dürfen keine erneuten Konstruktions- und keine Zulassungskosten anfallen, sondern nur reine Material und Montagekosten.

Stellvertretend für alle Projektpartner werden VBK und AVG als federführende und größte Abnehmer das Vergabeverfahren durchführen. Ziel ist es, nächstes Jahr an einen sich bewerbenden Hersteller zu vergeben. Der Preis ist dann abgesehen von Inflationsanpassung und dergleichen fix. Es geht um den VDV TramTrain: „eine Erfolgsgeschichte“, unterstrich der Geschäftsführer der Landesgruppe Baden-Württemberg des Verbands deutscher Verkehrsunternehmen, Ulrich Weber: „Wir freuen uns natürlich, dass wir in Karlsruhe, wo das System im Prinzip geboren ist, nun eine Stufe weitergehen.“ -mab-

 
 

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