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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 17. Mai 2019

KOD-Nachtstreife: Fragen, helfen, ahnden

DER KOD schlägt einem Wohnungslosen vor, eine Obdachlosenunterkunft anzusteuern, statt in einem Geldautomaten-Raum zu übernachten. BM Käuflein und OA-Leiter Weiße begleiteten die Streife. Foto: Knopf

DER KOD schlägt einem Wohnungslosen vor, eine Obdachlosenunterkunft anzusteuern, statt in einem Geldautomaten-Raum zu übernachten. BM Käuflein und OA-Leiter Weiße begleiteten die Streife. Foto: Knopf

 

Karlsruhe gilt als sicher

21 Uhr am Freitag. Lagebesprechung vor dem Rathaus. Bürgermeister Dr. Albert Käuflein, Dr. Björn Weiße, Leiter des Ordnungsamts (OA), und Hagen Bluck, Dienstgruppenleiter beim Kommunalen Ordnungsdienst (KOD), erläutern die Strategie bei der Nachtstreife. Karlsruhe sei eine weitgehend sichere Stadt, das Sicherheitsgefühl jedoch eine subjektive Sache.

Präventiv soll der KOD, der vergleichbare Rechte wie die Polizei besitzt, nun von 20 auf 30 Mitarbeiter aufgestockt werden.

21.15 Uhr Marktplatz. Im Automaten-Raum einer Bank schläft ein Obdachloser, Sack und Pack in einem Einkaufswagen untergebracht. Ein KOD-Beamter spricht ihn an. Es ist offensichtlich, dass der Mann hier nicht bleiben kann. Kunden könnten sich gestört fühlen. Der Mann ist sofort hellwach und beantwortet die Fragen der Beamten. Diese schlagen ihm vor, die Obdachlosenhilfe in der Rüppurrer Straße anzusteuern. Der Mann willigt ein. „Es geht darum, ein Angebot zu machen. Die KOD-Mitarbeiter gehen polizeitaktisch vor und stellen Fragen, um zu sehen, ob er noch selbständig genug ist“, erklärt Weiße.

21.30 Uhr Marktplatz. Eine junge Frau sitzt apathisch auf einer Bank, umgeben von einer Gruppe von Jugendlichen. Auf die Frage, was mit ihr los sei, antwortet ein Jugendlicher, sie habe einen Asthma-Anfall. Doch weit gefehlt. Die 16-Jährige ist schwer alkoholisiert. Die Beamten rufen einen Krankenwagen, der den torkelnden Teenager mitnimmt. „Ein Gefühl von Sicherheit manifestiert sich auch darin, ob andere Menschen helfen oder achtlos vorbeigehen“, merkt Käuflein an.

21.45 Uhr Kaiserstraße. Immer wieder werden Radfahrer ohne Licht oder Autofahrer, die unerlaubt in der Fußgängerzone fahren, ermahnt. „Wenn die Leute normal reagieren, belassen wir es bei einer Ermahnung. Wenn uns jemand provozieren will, werden wir auch strenger“, sagt Bluck, der nach zehn Dienstjahren feststellt, dass der Respekt vor der Uniform immer mehr abnimmt. Doch nicht an diesem Tag. Es bleibt bei Ermahnungen.

22 Uhr Friedrichsplatz. Hier hat sich Einiges an Müll angesammelt. „Auch Unrat sorgt für subjektive Unsicherheit. Nach dem Motto: Niemand tut etwas gegen Regelverstöße“, betont Käuflein. Hier wird sich jedoch gekümmert. Der KOD gibt die Info an die Stadtreinigung weiter.

22.15 Uhr Europaplatz. Mit Blaulicht trifft ein Krankenwagen ein. Wieder eine junge Frau, wieder zu viel Alkohol. 22.30 Uhr Passagehof. Der etwas abseits liegende Platz sei ein neuralgischer Punkt. „Hier sind einige Discos. Später ist natürlich mehr los. Es gibt vor allem Klagen über Wildpinkler“, sagt der OA-Leiter. Auf einer Treppe hat sich eine Gruppe Jugendlicher versammelt. Die Stadtpolizisten schauen nach dem Rechten, alles in Ordnung.

22.50 Uhr Bilanz. „Für uns eine normale Nacht, absoluter Durchschnitt“, resümiert Bluck, der mit seinem Team noch länger in der Karlsruher Nacht unterwegs sein wird – wenn noch viel mehr los ist. -voko-

 
 

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