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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 2. August 2019

Klimaschutzkonzept 2030: Gehandelt wird bereits jetzt

MIT SONNENENERGIE aus Photovoltaik-Anlagen, wie hier auf den Dächern der Gartenbauamtswerkstätten, kann im Idealfall die Hälfte des Karlsruher Bedarfs gedeckt werden. Foto: Fränkle

MIT SONNENENERGIE aus Photovoltaik-Anlagen, wie hier auf den Dächern der Gartenbauamtswerkstätten, kann im Idealfall die Hälfte des Karlsruher Bedarfs gedeckt werden. Foto: Fränkle

 

Kooperation mit KEK / Fahrplan zur Fertigstellung steht / Maßnahmen nehmen Form an

Egal ob Fridays for Future oder Klimanotstand, Hitzeperioden oder Trockenstress, Klimaschutz gewinnt gesellschaftlich deutlich an Relevanz. „Wir müssen sehr schnell mehr tun“, betonte auch Bürgermeisterin Bettina Lisbach beim Pressegespräch zum neu entstehenden Klimaschutzkonzept 2030. Vieles wird deshalb bereits jetzt angegangen.

Das Thema beschäftige „die ganze Verwaltung in ihrer Breite“, führte die Umweltdezernentin aus. Spätestens seit der Ausrufung des Klimanotstands sei klar, dass die Stadt „alle Anstrengungen forcieren“ müsse, um ihrer „Vorbildfunktion“ nachzukommen. Es müsse aber nicht bei Null begonnen werden. Bereits 2009 beschloss der Gemeinderat ein Klimaschutzkonzept mit Zielhorizont 2020. Schlaglichter sind Ab- und Fernwärmenutzung, Fahrradfreundlichkeit, EnergieQuartiere, Energieeffizienznetzwerke oder der „Klima-Frühling“. Auch bezieht die Stadt nun zu einhundert Prozent Ökostrom.

Die CO2-Emissionen sind seit 2007 mit 24 Prozent ebenfalls deutlich gesunken, wobei Lisbach „zu wenig Dynamik“ erkannte, denn bis 2030 müsse der Ausstoß um weitere 60 Prozent verringert werden. Wärmeenergie könne zum Beispiel durch energetische Sanierungen eingespart werden. Um sie zu erzeugen, werde mit Wärmepumpen, Solarthermie und Tiefengeothermie geplant. Beim Strom ließe sich im privaten und gewerblichen Sektor das Meiste einsparen, für die Stromerzeugung soll neben der Geothermie vor allem die Photovoltaik (PV) genutzt werden, die am meisten Potenzial biete.

Dies unterstützte Dirk Vogeley, Geschäftsführer der Karlsruher Energie und Klimaschutzagentur (KEK), die bei der Erstellung des Klimaschutzkonzepts beratend zur Seite steht. Momentan decke PV-Strom Vogeley zufolge nur knapp zwei Prozent des Karlsruher Gesamtverbrauchs. Bei Nutzung aller dafür in Frage kommenden Dächer, könnte dieser Wert auf gut 50 Prozent ansteigen. Auch werde geprüft, was für klimaneutrale Stadtteile nötig ist. Als Prioritäten definierte er den Energieträgerwechsel, den Ausbau von PV-Anlagen und Gebäudesanierung. Die Energie-Quartiere Knielingen, Durlach-Aue und Wettersbach seien dafür wegweisend. Um dafür die Bürgerschaft mit ins Boot zu holen, soll verstärkt informiert werden.

Im Bereich Stadtentwicklung rückt neben einer Sanierungsoffensive die Klimaneutralität als Planungsgrundsatz ins Zentrum, während im Bereich Wirtschaft eine Klimaallianz mit Unternehmen angestrebt wird. Vorreitern in Sachen Klimaschutz könnte laut Umweltamtsleiter Norbert Hacker eine „kommunale Plattform“ geboten werden. Vorbild sei hier die Stadt Münster. Auch werde es einen Energieleitplan zur besseren Energie- und Wärmeversorgung von Stadtteilen geben. Die Verwaltung wolle zudem bis 2040 klimaneutral werden. Beim Thema Verkehr orientiere sich die Stadt an den Landesleitlinien zur Verkehrswende 2030, die aber nicht „eins zu eins“ umgesetzt werden könnten, erklärte Bürgermeisterin Lisbach.

Abschließend stellte die Umweltdezernentin den weiteren Fahrplan zur Erstellung des Konzeptes vor. Im Herbst wird der Ausschuss für Umwelt und Gesundheit mehrfach beraten, im Winter folgen Bürgerforum und Online-Bürgerbeteiligung. Beschließen soll dann der Gemeinderat im ersten Quartal des kommenden Jahres. „Wir warten nicht bis dahin“, machte die Umweltdezernentin gleichwohl deutlich: „Viele Aktivitäten laufen schon.“ -gem-

 
 

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