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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 4. Oktober 2019

Draisschule: Gebäude komplett aus ressourcenschonendem Beton

BESICHTIGUNG DER PILOT-BAUSTELLE: Die Rohbauarbeiten sind mittlerweile fast abgeschlossen. Foto: Stadt Karlsruhe

BESICHTIGUNG DER PILOT-BAUSTELLE: Die Rohbauarbeiten sind mittlerweile fast abgeschlossen. Foto: Stadt Karlsruhe

 

Pilotprojekt Erweiterung Draisschule

Mit der Erweiterung der Draisschule entsteht in Karlsruhe das erste Gebäude, das komplett mit ressourcenschonendem Beton hergestellt wird.

Auf der Baustelle hatten sich kürzlich die Akteure getroffen, die sich für den Einsatz des nachhaltigen Baustoffs stark gemacht hatten: Anne Sick, Leiterin des Amtes für Hochbau und Gebäudewirtschaft (HGW), der städtische Projektleiter Wolf Kessel sowie Vertreter des Planungsbüros, Rohbauers sowie Transportunternehmens.

Schon zuvor hatte die Stadt erste Bauvorhaben in Teilen mit ressourcenschonendem Beton umgesetzt. Die ganze Schulerweiterung mit aus Betonabbruch hergestelltem frischem Beton zu realisieren, ist Neuland für die Stadt. In Deutschland haben solche Projekte noch Pilotcharakter, in der Schweiz ist der Einsatz dieses Materials seit rund zehn Jahren breitere Praxis. „Soweit sind wir in Karlsruhe leider noch nicht“, stellt Anne Sick fest. „In Baden-Württemberg haben wir noch kein flächendeckendes Angebot für ressourcenschonenden Beton. Hier greift das Henne-Ei-Problem: Wegen geringem Angebot und mangelnder Bekanntheit scheuen sich Planungsbüros und Bauherren noch vor dem Einsatz. Und wegen der geringen Nachfrage ist es für die Baustoffindustrie derzeit nicht attraktiv, Angebote aufzubauen“. Um dieses Prinzip zu durchbrechen, sollen alle städtischen Bauvorhaben seit 2016 mit ressourcenschonendem Beton ausgeführt werden. „Wir haben hervorragende Ergebnisse in der Bauausführung mit dem Material erzielt, obwohl wir damit zum ersten Mal gearbeitet haben“, sagt der Architekt Sven Wilhelm vom Architekturbüro OHO Architekten.

Etwa 75 Prozent des Mülls in Baden-Württemberg sind Bauabfälle. Jährlich 30 Millionen Tonnen dieser Reststoffe belasten die Umwelt, weil sie nur teilweise verwertet werden. Für Abbruch aus Stahlbeton und Mauerziegel bedeutet dies bisher oft eine dauerhafte Deponierung. Sortenrein erfasster Abbruch kann aber wieder als hochwertiger Zuschlag in frischem Beton eingesetzt werden. „Auch für die Erweiterung der Draisschule musste der Baustoff leider noch außerhalb des Stadt- und Landkreises bezogen werden“, so Sick. Dadurch sei der mögliche Preisvorteil gegenüber Kies noch nicht zum Tragen gekommen. Um künftig das Angebot für RC-Beton zu verbessern, steht HGW im Kontakt mit Karlsruher Anbietern von Recyclingmaterial, Transportbeton, anderen städtischen Ämtern und Gesellschaften. „In Zukunft soll der anfallende Abbruch direkt auf ganz kurzem Wege wieder als vollwertiger Beton zum Einsatz kommen“, wünscht sich Anne Sick für städtische Baustellen. Ziel: Mit  weitere Akteure lokal einen Wirtschafts- und Stoffkreislauf schließen und weitere Eingriffe in die Natur reduzieren. –rie-

 
 

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