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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 18. Oktober 2019

Fachtag Armutsbekämpfung: Von Daten zu Taten

Armutsbericht: Handlungsansätze für mehr Teilhabe

Dahinter steckt Strategie: Soll Armut wirksam bekämpft werden, müssen soziale Arbeit, Sozialplanung und Sozialpolitik kooperieren. Karlsruhe weiß das schon lange und blickt auf 26 Jahre kontinuierlicher Armutsberichterstattung zurück, eine Pionierleistung.

Ende September diskutierte der Gemeinderat die von Verwaltung, Liga der freien Wohlfahrtspflege und weiteren Akteuren verfasste Fortschreibung des Armutsberichts 2019 und dessen Herausforderungen, darunter etwa die intensivere Unterstützung Alleinerziehender. Die aktuelle Datenbasis war jetzt auch Thema des siebten Fachtags zur Armutsbekämpfung im Rahmen der landesweiten Aktionswoche „Armut bedroht alle" im vollbesetzten Jubez-Saal am Kronenplatz.

Unter dem Leitsatz „Von Daten zu Taten“ drehten sich die Beiträge der städtischen Sozialplanerin Regina Heibrock, des früheren Generalsekretärs des Deutschen Caritasverbands Prof. Dr. Georg Cremer sowie von Michael Löher, Vorstand des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge, darum, welcher Handlungsansätze es aus kommunaler, sozialpolitischer und sozialstaatlicher Perspektive bedarf, um Armut vorzubeugen und Problemlagen abzufedern. Ebenso ging es um die Ermöglichung gerechter Teilhabe sowie um faire Zugänge zu Lebensbereichen wie Bildung, Gesundheit, Arbeit oder Wohnen.

Man sei „nicht flügellahm“ geworden. Im Gegenteil, Karlsruhe halte das „Schwungrad in Sachen Armutsbekämpfung stetig am Laufen“, sagte Bürgermeister Martin Lenz beim Pressegespräch am Rande der Tagung. Dazu gehören auch neue Ideen, etwa die des Liga-Vorsitzenden Hans-Gerd Köhler zum Karlsruher Kinderpass.

Während die Politik derzeit die schrittweise Erweiterung des Kreises der Berechtigten erwägt, forderte Köhler beim Pressegespräch, alle Kinder sollten den Pass bekommen - unabhängig vom Einkommen ihrer Eltern. Das entstigmatisiere die Leistung und reduziere „pragmatisch gesehen“ den Verwaltungsaufwand bei Antragstellung und Berechnung. Darüber hinaus hoffte Köhler auf die Solidarität Besserverdienender, die freiwillig einen finanziellen Beitrag leisten könnten.

Den Karlsruher Pass erhalten derzeit Kinder, deren Eltern Grundsicherung beziehen oder deren Einkommen gering ist und maximal zehn Prozent darüber liegt. Er ermöglicht ihnen Bildung und Teilhabe. Mit dem Pass gelangen Mädchen und Jungen günstiger in den Zoo, in Bäder oder in Museen oder erhalten Ermäßigungen für die Volkshochschule, Jugendkunstschule oder Musikstunden am Badischen Konservatorium.

Da es „keinen Zwang zur Teilhabe“ gebe, setzte Michael Löher darauf, die Menschen zu motivieren, Angebote in Anspruch zu nehmen. Im bundesweiten Vergleich sei Karlsruhe bei der Armutsbekämpfung „ziemlich weit vorne“ - ähnlich sei es in Düsseldorf. Das habe mit der Finanzstärke der Städte zu tun, aber auch mit dem Agieren von Verwaltungsspitze und Politik. -maf-

 
 

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