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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 8. November 2019

Ettlinger Tor: „Unser Ziel ist maximale Transparenz“

SANIERUNG ODER ABRISS? Das Gebäudeensemble des Landratsamts wird Teil eines städtebaulichen Entwicklungskonzepts. Foto: Fränkle

SANIERUNG ODER ABRISS? Das Gebäudeensemble des Landratsamts wird Teil eines städtebaulichen Entwicklungskonzepts. Foto: Fränkle

 

Werkstattverfahren für Ettlinger Tor Südwestseite: Gesucht wird nicht der kleinste gemeinsame Nenner

Mit „maximaler Transparenz“ wollen Stadt und Landkreis einen Prozess anstoßen, aus dem ein „Schlüsselbaustein“ für Karlsruhes Stadtbild hervorgehen soll. So beschrieb Baubürgermeister Daniel Fluhrer das geplante Werkstattverfahren, in dem von Januar bis Juli 2020 über die Zukunft des Areals südwestlich des Ettlinger Tors entschieden werden soll. Kernstück der Überlegungen ist dabei das Gebäudeensemble des Landratsamts in der Beiertheimer Allee.

Der stark sanierungsbedürftige und schadstoffbelastete Bau steht unter Denkmalschutz, ein denkmalschutzrechtlicher Antrag wird deshalb derzeit von der Denkmalschutzbehörde geprüft. Solange diese sich nicht geäußert hat, kann das Gebäude weder saniert noch abgerissen werden. Gleichzeitig prüft der Landtag eine Petition zum Erhalt des Baus. „Wir starten das Werkstattverfahren daher mit zwei Varianten“, erläuterte Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup. Eine Sanierung mit Gebäudeerweiterung wird genauso betrachtet wie ein Abriss des Hochhauses mit anschließendem Neubau. „Davon versprechen wir uns möglichst viele Ideen aus der Fachwelt, die wir offen, transparent und eng an der Bürgerschaft zu einem überzeugenden Ergebnis bringen“, so der OB. Dieses Ergebnis bildet nach Abschluss des Werkstattverfahrens die Grundlage für einen Bebauungsplan.

Engagiert sind hierfür vier renommierte Büros, die sich gemeinsam an einen Tisch setzen – konkurrierend mit Ideen. „Wir wollen uns nicht mit dem kleinsten gemeinsamen Nenner zufrieden geben“, machte Bürgermeister Fluhrer deutlich. Stattdessen gehe es um die beste und am meisten überzeugende Lösung. Denn gegenwärtig existiert weder ein Bebauungsplan noch eine städtebauliche Entwicklungsidee für das Areal, obwohl die Problematik seit einigen Jahren schwelt. „Erst seit August ist allerdings klar, dass wir alle notwendigen Unterlagen bei der Denkmalschutzbehörde eingereicht haben“, betonte OB Mentrup. Zudem sei das Ende der Kombilösung absehbar, das Bauflächen freigebe und eine neue städtebauliche Verbindung ermögliche.

Auch das Postbank-Gebäude an der Nordostecke des Bereichs werde sich durch das Vorhaben eines Investors städtebaulich und architektonisch neu ausformen, ebenso stünden auf dem Theatervorplatz Veränderungen an. „Bisher gab es mit der Kriegsstraße eine Zäsur zwischen dem nördlichen und südlichen Teil der Innenstadt“, erläuterte auch Fluhrer. Nun ließen sich die beiden Bereiche zu einem neu konzipierten Innenraum verschmelzen. „Eine extrem spannende Zeit liegt vor uns.“ Auf eine anspruchsvolle städtebauliche Diskussion freut sich auch Landrat Dr. Christoph Schnaudigel. „Ich bin durchaus erfreut“, unterstrich er. Auch habe der Landkreis grundsätzlich großes Interesse an einem neuen „Hochpunkt vergleichbarer Art“ – schon aufgrund der Stadtbildprägung. „Wir wollen das offene Verfahren selbstverständlich dazu nutzen, auch unsere Ideen und Vorstellungen einzubringen“, so Schnaudigel. Im Zuge einer Verschmelzung der Stadtbereiche sei künftig zudem eine kooperative Nutzung des Gebäudes denkbar, etwa mit einer Bildungseinrichtung.

Starten soll das Werkstattverfahren bereits am 15. Januar mit einer Auftaktveranstaltung im Rahmen eines öffentlichen Bürgerforums. Am 11. März und am 6. Mai erläutern die Architektenbüros ihre Analyse der Aufgabenstellung und diskutieren alle Ansätze mit einem extra zusammengestellten Begleitgremium. Dieses setzt sich aus Vertretern von Landkreis, Stadt, Gemeinderat und Land Baden-Württemberg, sowie aus externen Fachleuten und Vertretern bürgerschaftlicher Gruppierungen zusammen. Bei einem vierten Werkstatttermin am 3. Juli präsentieren die Planer zwei finale Szenarien und zeigen die aus ihrer Sicht beste Entwicklungsoption für das Areal auf – wiederum als öffentliches Bürgerforum. Schließlich wählt das Begleitgremium ein Szenario als Empfehlung für den Karlsruher Gemeinderat aus. Das Bebauungsplanverfahren kann dann beginnen – ein Bauantrag wird voraussichtlich im Herbst 2023 gestellt. Kosten soll der Prozess bis zu diesem Punkt rund 600.000 Euro. „Das werden wir je zur Hälfte tragen“, erläuterten Landrat und OB. Letzterer bekam am Dienstag dafür auch die Rückendeckung des Hauptausschusses. Ausführliche Infos und Pläne gibt es online auf www.karlsruhe.de/ettlingertor. -bea-

 
 

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