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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 8. November 2019

Kultur: Von gegenseitiger Faszination

NIKOLAUS, der Begründer der ungarischen Esterhazy-Dynastie trug diesen Prunkpanzer aus 550 versilberten, arabeskengeschmückten  Messingplättchen und bunten Glassteinen mit Familienwappen. Foto: BLM

NIKOLAUS, der Begründer der ungarischen Esterhazy-Dynastie trug diesen Prunkpanzer aus 550 versilberten, arabeskengeschmückten Messingplättchen und bunten Glassteinen mit Familienwappen. Foto: BLM

 

Schau „Kaiser und Sultan“ belegt vielseitigen Kulturtransfer im 17. Jahrhundert

Internationaler Handel, Migration und Kulturaustausch sind nicht nur aktuelle Phänomene. Schon im kriegerischen 17. Jahrhundert bestimmten sie das Leben der Menschen zwischen Wien und Istanbul, in Ungarn und auf dem Balkan. Wie auf dieser Brücke die Kulturen zwischen Westen und Orient verschmolzen, sich durchdrangen und beeinflussten, darum geht es in der bis 19. April laufenden Landesausstellung „Kaiser und Sultan“ anhand von 320 prächtigen Stücken.

Zerfleischten sich die Völker nahezu endlos in den „Türkenkriegen“, waren sie gleichzeitig von handwerklichem Können, technischen Errungenschaften und Sitten der Gegner fasziniert, entwickelten Respekt voreinander. Was die Sieger auf der Seite Habsburgs, darunter auch vier badische Fürsten, auf den Schlachtfeldern erbeuteten, findet sich heute europaweit in rund 20 Sammlungen. Als eine der bedeutendsten gilt  die badische „Türkenbeute“.

Exponate wie das 1683 vor Wien erbeutete, 28 Meter lange Paradieszelt  kommen aus Krakau, eine sonst nie ausgeliehene, von den Osmanen als Geschenk begehrte edelsteinbesetzte Tischuhr von der Esterhazy-Burg Forchtenstein oder Sättel, Zaumzeug samt Araberpferdeskulptur aus der Dresdner Rüstkammer. Schließlich kreuzten sich die Wege badischer und sächsischer Fürsten immer wieder. Für Kulturtransfer steht auch die osmanische Elitefußtruppe der Janitscharen aus zwangskonvertierten christlichen Jungen.

Davon zeugen eine seltene Haube, Handpauken als Symbol für ihre auch Mozart beeinflussende Feldmusik oder die von einem zum Großwesir aufgestiegenen Knaben aus dem heute bosnischen Visegrad erbaute Brücke über die Drina. Rauschende Feste oder Paraden im originalen oder nachgemachten Türkengewand, festgehalten etwa auf Kostümgemälden von einer türkischen Tänzerin oder siegreichen Zyprerin aus dem slowenischen Schloss Ptuj, belegen, wie europaweit die Türkenmode um sich griff.

Ein einzigartiger Mischstil entstand im gold- und silberreichen Siebenbürgen. Zeugen sind ein Bogenköcher mit Arabesken aber lateinischer Inschrift oder der zum badischen Szepter avancierte Streitkolben. Von enttäuschten Hoffnungen und Stolz  erzählen Bilder hingerichteter ungarischer Fürsten. Von Kugeln getroffene Rüstungen Ludwig Wilhelms von Baden, des „Türkenlouis“, des Sachsen Johann Georg II. und des Janitscharen-Führer Mustafa machen das Aufeinandertreffen der drei Kommandeure plastisch. -cal-

 
 

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