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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 8. November 2019

Reallabor GO Karlsruhe: Fußgängern Aufmerksamkeit gegeben

ZUM SCHUTZ VON FUSSGÄNGERN suchte GO Karlsruhe schwerpunktmäßig in der Erbrprinzenstraße den Radschnellverkehr auszubremsen – samt Display und Umleitungsgebot. Foto: Fränkle

ZUM SCHUTZ VON FUSSGÄNGERN suchte GO Karlsruhe schwerpunktmäßig in der Erbrprinzenstraße den Radschnellverkehr auszubremsen – samt Display und Umleitungsgebot. Foto: Fränkle

 

Ministerin Bauer informierte sich vor Ort / Tausende Feedbacks zu Displays

GO Karlsruhe hat Aufmerksamkeit erzeugt. Das Reallabor der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft (HsKA) war angetreten, über Realexperimente den Fußverkehr zu fördern.

Um so Lösungsansätze mit wissenschaftlichem Blick auszutesten: Welche Instrumente und Strategien kommen beim Fußgänger und anderen Verkehrsteilnehmern an, welche nicht?  Das die Fußgänger direkt einbeziehende Format „finde ich ganz toll“, betonte Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup: „Es ist die Gruppe, die bislang bei Mobilitätsänderungen eher vernachlässigt wurde – und dabei diejenige, die rein physisch meist die unterlegene ist.“ Mit Projektleiter Prof. Christoph Hupfer von der HsKA und weiteren Beteiligten hatte er die Ergebnisse des Karlsruher Reallabors Landeswissenschaftsministerin Theresia Bauer beim Vor-Ort-Termin vorige Woche vorgestellt.

Insgesamt förderte das Land 14 Reallabore mit unterschiedlichen Themenstellungen. Ziel der Baden-Württemberg-Erfindung sei es, so Bauer, im Miteinander von Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft Lösungen zu finden. Alle Realexperimente liefen zeitlich begrenzt, für Prof. Hupfer ein großes Plus. Man komme ins Handeln, und der oft übliche Widerstand gegen dauerhafte, vermeintlich nachteilige Veränderungen werde gemindert. OB Mentrup hob die eingesetzten Dialog-Poster positiv hervor, mit denen Fußgängern Aufmerksamkeit geschenkt wurde und sie sich beteiligen konnten. Rund 10.000 Feedbacks zu den die Radler lenkenden dynamischen Displays in der Erbprinzenstraße seien schon repräsentativ. „Wenn wir nun für die Innenstadt die Mobilität und Aufenthaltsqualität neu denken wollen, ist es enorm wichtig, nicht aus dem Bauch heraus zu entscheiden, sondern auf wissenschaftliche Erkenntnisse des Reallabors zurückgreifen zu können.“
In der Erbprinzenstraße konnte der Anteil der unzufriedenen Fußgänger von 70 Prozent vor dem Realexperiment auf 58 Prozent nach Einführung beider Displays gesenkt werden. Flagge zeigte das Reallabor unter anderem auch auf der Baustelle am Mendelssohnplatz, wo die Situation durch Richtungssperrung einer Hauptradroute bereits in der Planungsphase insbesondere zwischen Fußgängern und Radfahrern schwierig war. Durch Kombination einer Umfahrung für Radfahrende mit digitalen Anzeigen konnte der Radverkehr um mehr als zwei Drittel gedrosselt werden. Trotz Engstellen und geänderter Wegführungen wurde das Passieren für Fußgänger verbessert.

Hupfer sieht in den Ergebnissen, dass es möglich ist, mehr für Fußgänger zu tun: „Dies kann bedeuten, Flächen umzuverteilen, die Verträglichkeit mit anderen Verkehrsteilnehmern zu fördern oder einfach Situationen zu schaffen, in denen sich der Fußgänger respektiert und wahrgenommen fühlt.“ Ministerin Bauer, angetan von der außerordentlich fruchtbaren Zusammenarbeit aller Akteure in Karlsruhe, war sich sicher, dass GO Karlsruhe „weit über Karlsruhe hinaus wirken wird“. -rie-

 
 

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