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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 15. November 2019

Bürgerbeteiligung: In sicherer Stadt sicherer fühlen

GENAU ZUHÖREN wollten BM Käuflein (Mitte) und OA-Leiter Weiße (r. daneben) bei dem, was Bürger etwa am Europaplatz verunsichert. Mehrere Stadtbeschäftigte protokollierten. Foto: Fränkle

GENAU ZUHÖREN wollten BM Käuflein (Mitte) und OA-Leiter Weiße (r. daneben) bei dem, was Bürger etwa am Europaplatz verunsichert. Mehrere Stadtbeschäftigte protokollierten. Foto: Fränkle

 

Stadt verweist auf Lagebild, nimmt Sorgen bezüglich zentraler Plätze aber ernst und auf

Eher positive Kriminalitätsstatistik und eher kritische subjektive Einschätzung decken sich nicht immer. Bürgerschaftliche Sorgen nimmt die Stadt ernst, darum bot sie auf Basis der Ergebnisse einer großangelegten Umfrage vorige Woche einen Sicherheitsspaziergang für Erwachsene und einen Instawalk für Jugendliche an. Zu Europa- und Kronenplatz, wo sich die meisten Befragten am unwohlsten fühlen.

Nächstes Jahr möchte die Stadt ein vom Gemeinderat beauftragtes Sicherheitskonzept für die Innenstadt und Oberreut vorlegen. „Ausgangspunkt ist ja, dass wir eine sichere Stadt sind“, unterstrich Bürgermeister Dr. Albert Käuflein, als er am Mittwochabend vergangener Woche am Europaplatz zur Gruppe aus Bürgern, Stadtbeschäftigten und Medien stieß. Um sich genau anzuhören, wo es wem warum und wann unbehaglich ist. Etwa ein Dutzend Bürger nahm das vom Büro für Mitwirkung und Engagement (BME) gestaltete Angebot wahr, immer wieder sind schummriges oder aufklärendes Licht, Fahr- und Parkverhalten Thema. Manche bauen auf Taxis, andere beunruhigen deren Fahrer. Auffällig auch, dass viele Teilnehmer Berichte über Straftaten eher heranziehen als Grund ihrer Besorgnis als dass sie selbst einen Überfall befürchten. „Wir wissen, es liegt etwas im Argen. Uns geht es darum, herauszufinden, wo es genau hakt“, erklärte Jens Jägle vom Amt für Stadtentwicklung. Dem Ruf nach mehr Videoüberwachung entgegnete er den engen Rechtsrahmen in Deutschland. Zu den teils sehr detaillierten Rückmeldungen, die Stadtbeschäftigte protokollierten: Die Arkaden am gefüllten Europaplatz seien zu eng und der sei wie der Kronenplatz beim Queren zu unübersichtlich. „Verschlechtert“, betont eine Bürgerin zur Frage nach dem Sicherheitsempfinden am Euro und fragt: „Wer will sich hier aufhalten?“ Die Aufenthaltsqualität zu steigern bleibt gleichwohl städtisches Kernziel.

Der städtebauliche Aspekt spiele eine wesentliche Rolle, führte Käuflein aus. Es sei ja nicht von der Hand zu weisen, dass sich nur wenige hundert Meter entfernt jeder gerne am Ludwigsplatz aufhalte, was mit dessen Beleuchtung und Nutzung zusammenhänge. Der stellvertretende Leiter des Polizeireviers Marktplatz, Jürgen Zimmer, begrüßt das, will wie geplant die Kombilösung zur Umwandlung in eine Fußgängerzone genutzt wissen. Seit rund dreißig Jahren in der Innenstadt aktiv, versichert er, Gewalttätigkeiten habe es wie Wellenbewegungen immer schon gegeben. Keine signifikante Veränderung der Gefährdungslage nimmt Zimmer wahr, aber eine auf der Basis von Werten wie Respekt. Am Europaplatz Unruhestifter auszukundschaften und anzugehen, sei voll aufgegangen. Schwierig bleibe dieser Verkehrsknoten mit viel Unterhaltungsgastronomie aber. Wie Ordnungsdezernent Käuflein ist der Leiter des Ordnungs- und Bürgeramts (OA), Dr. Björn Weiße, zuversichtlich, dass sich noch mehr bewirken lässt. Auch über mehr Präsenz und Kontrolle, aber wegweisend durch Strukturen, die es mit Polizei, Bürgern und Gewerbetreibenden, auch über deren regelmäßige Rückmeldungen, zu entwickeln und zu realisieren gelte.

Beteiligung mit Smartphone
Nur einen Tag nach dem klassischen Info-Spaziergang lud das BME zum Instawalk ein. Mit Fokus auf einer handyaffinen Zielgruppe ging es für Teilnehmende auch hier darum, mögliche Angsträume in der Innenstadt zu identifizieren, zum Beispiel schmale Gassen, dunkle Hauseingänge oder Plätze. Dies aber nicht nur mündlich, sondern mit selbstgemachtem Handy-Foto, das wiederum mit dem Hashtag #sicheresKA über die Social-Media-Plattform Instagram geteilt werden sollte. Zum offiziellen Start auf dem Europaplatz war auch hier Bürgermeister Käuflein mit dabei und wies erneut darauf hin, das Karlsruhe objektiv eine „sichere Stadt“ sei, es aber ein „subjektives Empfinden von Unsicherheit gebe“. Auch für eine jüngere Zielgruppe gehe es nun darum, zu benennen, „was man besser machen kann“. So schrieb etwa ein Teilnehmer zu einem Foto vom Kronenplatz: „nachts recht gruselig, zu wenig Beleuchtung“. Von dieser Art Kommentar hatte sich Mitorganisator Jägle mehr erhofft, doch obwohl die Aktion umfangreich in Schulen und Jugendzentren beworben wurde, blieb die Beteiligung gering. „Es ist natürlich schade, dass wir beim Instawalk nicht so viel Reichweite erzielen konnten, wie wir uns erhofft hatten“, konstatierte er. „Aber auch in Zukunft werden wir weiter moderne Beteiligungsformate anbieten, um letztendlich möglichst viele Bürgerinnen und Bürger zu erreichen“, so der engagierte Stadtentwickler weiter. Zudem wies er darauf hin, dass der Kanal zu #sicheresKA zunächst offen bleibe, damit Interessierte dort „auch in Zukunft noch auf Unsicherheiten hinweisen“ könnten. -mab-/-gem-

 
 

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