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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 22. November 2019

Volkstrauertag: „Es ist an der Zeit, zu reden“

Foto: Homberg

Foto: Homberg

 

Jüdische Soldaten kämpften so engagiert und auch euphorisch wie andere Soldaten in der deutschen Armee des Ersten Weltkriegs. Darauf wies die stellvertretende Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde, Solange Rosenberg, bei der Kranzniederlegung in der Jüdischen Kapelle auf dem Hauptfriedhof am Volkstrauertag hin.

Sie meinte, nach vielen Jahren stillen Gedenkens sei es auch mal Zeit, etwas zu sagen. Rosenberg beklagte, dass wenige Jahre später das Eiserne Kreuz, dass viele dieser Soldaten für ihre Tapferkeit und ihren Mut erhalten hatten, wegen ihres Glaubens nichts mehr bedeutete. Und das, obwohl sie glühende Patrioten gewesen seien.

Als Stadtvertreterin legte Bürgermeisterin Bettina Lisbach still einen Kranz in der Kapelle nieder. Der neue Rabbiner der Jüdischen Kultusgemeinde, Shlomo Zalman Jhudovitz, sprach das „El male Rachamin“ genannte Totengebet (unser Bild). Bei der anschließenden Gedenkfeier der Stadt, des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, der Bundeswehr und anderer Institutionen erinnerte der evangelische Dekan Dr. Thomas Schalla ebenfalls daran, dass neben dem Sterben vieler Soldaten und auch Zivilisten großes Unrecht geschah: Juden, politisch anders Denkende oder Menschen, deren Existenz etwa wegen Behinderung oder Krankheit als „nicht lebenswert“ erachtet wurde, industriell und geplant ermordet wurden.

Damit sich solche Untaten nicht wiederholen, brauche es Gedenktage wie den Volkstrauertag auch in der Zukunft. Wenn Jüdinnen und Juden sich heute nicht mehr sicher fühlten und da sich in Thüringen ein Viertel der Wähler für einen Faschisten entschieden habe, bedeute dies, dass man täglich gegen Unrecht aufstehen müsse. Lisbach gedachte ebenso der Opfer von Gewalt, Terror oder politischer Verfolgung, hoffte auf Frieden und Versöhnung. -erg-

 
 

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