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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 29. November 2019

„Gegen Vergessen“: Unrechtsaufbereitung gewürdigt

Foto: Knopf

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Eine besondere Ehre wurde kürzlich Schülerinnen der Christiane-Herzog-Realschule aus Nagold im Karlsruher Rathaus zuteil. Die Zehntklässlerinnen erhielten vom Verein „Gegen Vergessen – für Demokratie“ den mit 1500 Euro dotierten „Waltraud-Netzer-Jugendpreis“ (unser Bild zeigt sie unter anderem mit OB Dr. Frank Mentrup, r., und Vereinsvorsitzendem Bernd Faulenbach, l.).

Zudem bekam der frühere brandenburgische Justizminister Hans Otto Bräutigam, einen mit 7.500 Euro dotierten Preis. Beide Auszeichnungen fördern das Engagement, das geeignete Formen der Auseinandersetzung sucht – sowohl mit der NS- als auch der DDR-Unrechts-Geschichte. Der Verein setzt sich so für Projekte ein, die sich für eine lebendige Demokratie engagieren, und vergibt die Auszeichnung jährlich an verschiedenen Orten – dieses Mal in der Fächerstadt.

In seinem Grußwort erwähnte Mentrup das jüngste Jubiläum 70 Jahre Grundgesetz in der Residenz des Rechts ebenso wie die frühen, progressiven Forderungen der Badischen Revolution 1848/49 oder das Ständehaus als erstes Parlamentsgebäude in Deutschland: „Karlsruhe ist ein bedeutender Ort der Demokratiegeschichte.“ Auch den nationalsozialistischen Zivilisationsbruch thematisierte der OB und erinnerte dazu an die hiesige Gedenkkultur, mit etwa den Reinhold-Frank-Gedächtnisvorlesungen.

Die Schülerinnen wurden für ihr Stadtführungskonzept ausgezeichnet, das sich mit der örtlichen Geschichte unter dem NS-Regime befasst. Eine App ist in Planung, zudem sollen „Stolpersteine“ an früheren Häusern jüdischer Opfer verlegt werden. Bräutigam bekam den Preis für sein Wirken nach der Wende zum Neuaufbau des Justizsystems und für die Aufarbeitung des Unrechts. Er wurde für sein Lebenswerk geehrt, stand schon für die neue Ostpolitik der Siebziger. Angetan vom tiefgehenden Engagement seiner Nagold-Klasse war Geschichtslehrer Gabriel Stängle: „Die Schülerinnen haben sich mit Täter- und Opferbiographien der NS-Zeit befasst und dabei akribisch in diversen Archiven recherchiert.“ -voko-

 
 

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