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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 13. Dezember 2019

Kultur: Der Wahrhaftigkeit auf der Spur

DIE MUTTERGOTTES MIT DEM BROT offenbart reinste Liebe zwischen Mutter und Kind und zählt so auch zu den ergreifendsten Porträts der Baldung-Schau. Foto: Fränkle

DIE MUTTERGOTTES MIT DEM BROT offenbart reinste Liebe zwischen Mutter und Kind und zählt so auch zu den ergreifendsten Porträts der Baldung-Schau. Foto: Fränkle

 

Beeindruckende Retrospektive auf das Werk Hans Baldung Griens in der Kunsthalle

Mit Hans Baldung Grien richtet die Kunsthalle einem der aufregendsten und eigenwilligsten Künstler im Spannungsfeld von Reformation, Bildersturm und Bauernkrieg bis 8. März 60 Jahre nach der ersten bahnbrechenden eine zweite spannende Retrospektive aus. Rund 250 Arbeiten, darunter 80 aus eigenem Besitz und 60 von Zeitgenossen wie seinem Lehrer Dürer, von Cranach und Schongauer, ziehen das Publikum direkt in ihren Bann.

Dabei changiert Baldung zwischen Religion, für die sein Hauptwerk, der in der Schau medial präsente Hochaltar des Freiburger Münsters steht, und der Welt mit oft magisch dunklen, auch erotischen Werken wie den pornografischen Hexenzeichnungen und Holzschnitten. In allen Medien zu Hause, neben Öl- und Glasmalerei auch als Druckgrafiker und virtuoser Zeichner aktiv, entwickelte der 1484/85 in Schwäbisch Gmünd Geborene und von 1501 bis zu seinem Tod  1545 in Nürnberg, Freiburg und Straßburg Wirkende an der Schwelle von Spätgotik und Renaissance seinen eigenen hypergenauen, manieristischen Stil. Oft schauen seine Personen, wie etwa  Eva mit Schlange von 1510, Betrachtende aus dem Bild direkt an und machen sie selbst zu Akteuren.

Stets geht es um die Grundlagen der Existenz, um Werden und Vergehen, Liebe, Tod, Leid und Freude. Nach Dürers Tod avancierte der Straßburger Ratsherr mit eigener Werkstatt  zum angesehensten Maler seiner Zeit. Davon zeugt noch heute seine  Präsenz in internationalen Museen. So bestückten 65 Leihgeber aus 13 Ländern die Schau. Ausgeprägtes Selbstbewusstsein beweist schon das den Rundgang eröffnende Selbstbildnis des 18-Jährigen, flankiert  von einem der wenigen Äußerungen des Künstlers: „Ich Hans Baldung  Moler“. Beeindruckend auch seine Porträts reicher Auftraggeber, die jugendliche Neugier, versunkene Melancholie oder  gefestigtes Selbstbewusstsein bis hin zu berechnendem oder intrigantem Wesen zeigen.

Glanzlichter setzen ebenso die zwei berühmten Historiengemälde der Kunsthalle. Zum einen die Markgrafentafel, mit der Markgraf Christoph I. versuchte, die letztlich misslungene Erbfolgeregelung zugunsten seines mittleren Sohnes Philipp zu etablieren. Und die jüngst erworbenen Fragmente „Lot und seine Töchter“, der Verführung des frommen Mannes durch die eigenen Kinder, die beide Pole von  Baldungs Schaffen vereinen, im Untertitel der Schau „heilig/unheilig“ genannt. -cal-

 
 

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