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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 13. Dezember 2019

Landesweit erster Drogenkonsumraum: Überlebenshilfe für Schwerstabhängige

PREMIERENGÄSTE: OB Dr. Frank Mentrup, Polizeipräsidentin Caren Denner, Sozialminister Manfred Lucha und AWO-Geschäftsführer Markus Barton (v. l.). Foto: Fränkle

PREMIERENGÄSTE: OB Dr. Frank Mentrup, Polizeipräsidentin Caren Denner, Sozialminister Manfred Lucha und AWO-Geschäftsführer Markus Barton (v. l.). Foto: Fränkle

 

Anlaufstelle eröffnet / Karlsruhe hat Vorreiterrolle

In Karlsruhe hat in Trägerschaft der Arbeiterwohlfahrt (AWO) der erste Drogenkonsumraum Baden-Württembergs eröffnet. In direkter Nachbarschaft des Kontaktladens für Suchtkranke „get IN“ in der Kriegsstraße 76 können Schwerstabhängige ihren mitgebrachten Stoff unter hygienischen Bedingungen und unter Aufsicht einnehmen.

Für Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup ein „längst überfälliger Schritt“, der Betroffenen das Überleben sichere, ihnen den Weg ins Hilfesystem weise und den öffentlichen Raum entlaste. Niemand lebe freiwillig ein süchtiges Leben, sah Baden-Württembergs Sozialminister Manfred Lucha den Drogenkonsumraum  als  „wichtigen Baustein einer verantwortlichen und menschlichen Drogenpolitik“. Suchtkranke würden „da abgeholt, wo sie sind und rausgeholt, wo sie nicht hingehören“. Die sozialwissenschaftliche Evaluation des Pilotprojekts werde man in Stuttgart „sehr aufmerksam begleiten“.

In sechs Bundesländern sind Drogenkonsumräume Alltag, in Baden-Württemberg bislang nicht. Voraussetzung für die Einrichtung der tolerierten Stätte für Drogenkonsum in Karlsruhe war der Erlass einer Landesverordnung, die deren Betrieb, in der grün-schwarzen Regierung zunächst heftig umstritten, genehmigt und legalisiert. Mit dem Kabinettsbeschluss im März war der Weg frei. Der Karlsruher Gemeinderat hatte sich bereits im April 2018 einstimmig zu der Premiere bekannt und damit nach dem Modellversuch zur heroingestützten Behandlung erneut eine Vorreiterrolle in Sachen fortschrittlicher Drogenpolitik übernommen.

Wer einen der vier mittels Plexiglasscheiben abgetrennten Plätze nutzen will, muss grundsätzlich volljährig, chronisch betäubungsmittelabhängig und konsumerfahren sein. Sterile Utensilien werden gestellt und sachgerecht entsorgt. Ein Auslöser für die Einrichtung des Drogenkonsumraums war die Zuspitzung der Probleme auf dem Werderplatz in der Südstadt. Lärm, Schmutz, Alkohol- und Drogenexzesse, Belästigung und Gewalt machten Anwohnerschaft und Geschäftsleuten zu schaffen. Die Stadt steuerte nach massiver öffentlicher Kritik dagegen. Die Arbeitsgemeinschaft Werderplatz (AG) gründete sich 2016 und schnürte zügig ein Maßnahmenpaket zur Deeskalation der Situation in der Südstadt. Im September 2018 ging mit dem A³ in der früheren Wirtschaft „Klosterbräu“ ein sogenannter alkoholakzeptierender Aufenthaltsraum an den Start, in dem getrunken werden darf, aber nur Nichtalkoholisches verkauft wird. Des Weiteren greift von April bis Oktober ein zeitlich und örtlich begrenztes Alkoholkonsumverbot, außerdem laufen Polizei und Ordnungsdienst verstärkt Streife. Mit dem Drogenkonsumraum ist nun eine weitere zentrale Forderung der AG erfüllt. -maf-

 
 

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