Sprung zur Navigation. Sprung zum Inhalt, Sprung zur Suchmaschine

Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 3. Januar 2020

Regionsumfrage 2019: Oberzentrum ist für Umland attraktiv

ANZIEHUNGSPUNKT FILMPALAST: Hatten 2006 noch 44 Prozent der Karlsruhe-Gäste das Kino am ZKM als Ziel, waren es 2019 schon über 53 Prozent.

ANZIEHUNGSPUNKT FILMPALAST: Hatten 2006 noch 44 Prozent der Karlsruhe-Gäste das Kino am ZKM als Ziel, waren es 2019 schon über 53 Prozent.

 

Wahrnehmung der Fächerstadt im Wandel / Besuchsfrequenz steigt / Zunehmende Bedeutung als Arbeitsort

Karlsruhes Innenstadt hat mehr Besucherinnen und Besucher aus dem Umland als noch vor drei Jahren. In der Summe stieg die Zahl derer, die mindestens einmal monatlich in die die Fächerstadt kamen, um 17 Prozent von 446.000 (2016) auf 522.000 (2019). Hauptgrund ist laut Regionsumfrage 2019 die zunehmende Bedeutung Karlsruhes als Arbeitsort.

Die Menschen steuern das Oberzentrum nach wie vor zumeist mit dem Auto und – wenn nicht wegen des Jobs - vorwiegend zum Einkaufen an, nutzen aber auch mehr und mehr Freizeitangebote wie Kinos und Bäder. Das Baugeschehen im Zuge der Kombilösung beeinflusst das Image der Fächerstadt weniger als zuvor, auch das Image der Beamtenstadt ist passé. Als Einkaufstadt bleibt Karlsruhe attraktiv.

Jeweils 80 Prozent der Gäste binnen Jahresfrist tummelten sich in der Fußgängerzone oder im ECE-Center, allerdings hat sich auch Online-Shopping als Format weiter etabliert. Aufgeholt haben als Besuchsanlässe Bäder und Kinos, vor allem der Filmpalast am ZKM ist beliebt. Die Ergebnisse der seit 1997 alle drei Jahre vom Amt für Stadtentwicklung durchgeführten Befragung nahm der Gemeinderat kürzlich zustimmend zur Kenntnis, sie fließen in das IQ-Korridorthema „Zukunft Innenstadt“ ein.

Die Lage habe sich etwas entspannt, sprach GRÜNE-Stadtrat Markus Schmidt eher von „Normalisierung“ denn von Verbesserung. Positiv sei, dass nicht nur Einkaufen zum Karlsruhe-Besuch motiviere. Das Auto als Spitzenreiter „finden wir nicht ganz so Spitze“ setzte er auf die Entwicklung „regionaler Verkehrskonzepte.“ „Mir ist nicht bange“ erklärte CDU-Stadtrat Tilmann Pfannkuch. Man sei stolz auf eine Region, „die zu uns hält, obwohl manches schwierig ist“. Pfannkuch ermunterte dazu, jede aufgegebene Baustelle in einer Art „Count-Down-Strategie“ zu feiern und die Kundinnen und Kunden mit Beratung und Einkaufserlebnissen zu locken.

FDP-Stadträtin Annette Böhringer warb für die Stärkung inhabergeführter Geschäfte, sonst verkomme Karlsruhe zu einer dieser „austauschbaren Innenstädte mit Billigläden“. Auch müsse die „Polemik gegen den Individualverkehr“ aufhören, die Aussagen zum ÖPNV hielt Böhringer für „widersprüchlich“, einerseits gebe es Verbesserungen, andererseits Beschwerden über Fahrtausfälle. AfD-Stadtrat Oliver Schnell warnte vor sinkenden Besucherzahlen, „wenn wir das Konzept der autofreien City forcieren“. Stadtrat Michael Haug (KAL/Die PARTEI) sah Karlsruhe als „liebenswertes Oberzentrum“, durchaus mit Steigerungsbedarf.

Der ÖPNV müsse schneller und verlässlicher werden, denkbar wären etwa „Schnellbusse in Gewerbegebiete der Stadt“. Nachhaltiges und lokales Einkaufen müsse Teil der Marketingstrategie, der Friedrichsplatz als Ruhezone zurückgewonnen werden. Die Anstrengungen dürften nicht nachlassen, sagte FW/FÜR-Stadtrat Friedemann Kalmbach. Er forderte intensiveren Wohnungsbau, sodass wer hier arbeite, auch hier leben könne, neue Modelle des Zusammenspiels von Auto und ÖPNV sowie einen Geschäfte-Mix, der dem Online-Handel Paroli biete und nicht „von der Stange“ sei. -maf-

 
 

Zur Übersicht der Wochenausgabe