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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 10. Januar 2020

Baum des Jahres: Invasive Bienenweide

ROBINIEN: Insektenfreundlich aber starke Konkurrenz. Foto: A. Roloff

ROBINIEN: Insektenfreundlich aber starke Konkurrenz. Foto: A. Roloff

 

Robinie ist Baum des Jahres / Verbreitung umstritten

Zarte Fliederblätter und duftend weiße Blütenstände, bizarr verzweigte Kronen und bis zu drei Zentimeter lange Stacheln an jungen Trieben und Schösslingen. Das alles zeichnet die Robinie aus, die nun zum Baum des Jahres gewählt wurde. Eine nicht unumstrittene Entscheidung, denn die vor 300 Jahren aus dem westlichen Nordamerika eingeführte „Scheinakazie“ polarisiert.

Als Bienenweide ist sie in Zeiten des Insektensterbens bedeutend für die Gewinnung von Honig und bei der Bestäubung anderer Arten. Sie ist Pionierbaumart, besiedelt sehr schnell selbst die unwirtlichsten Lebensräume und trotzt dem Klimawandel. Ihr zähes Holz ist zudem sehr witterungsbeständig und damit eine Alternative zu tropischen Sorten. Naturschutzfachlich und aus Sicht der Waldökologie wird die Ausbreitung der Robinie in und um die Fächerstadt jedoch nicht befürwortet, heißt es von Seiten des Forst- und Umweltamtes.

Sie zählt zu den invasiven Neophyhten, verändert Standorte durch ihr besonderes Wurzelwerk und die Stickstoffanreicherung des Bodens und verdrängt damit oft heimische Pflanzen. Gerade in Karlsruhe, wo die Krautvegetation dank des besonderen Sandstandortes sehr artenreich und einzigartig ist, stören Robinien die naturraumtypischen Biotope nachhaltig. Deshalb werden sie vermehrt aus Schutzgebieten und Waldgesellschaften entfernt.

Auch im Stadtgebiet sind sie nicht unproblematisch. Sie wachsen entlang von Straßenrändern und Gleisbetten, vermehren sich schnell und lassen ansässigen Gewächsen keine Chance. Trotz ihrer Konkurrenzfähigkeit, habe die Robinie auch als gezielt gepflanzter Straßenbaum „die Erwartungen nicht erfüllt“, so Gartenbauamtsleiter Klaus Weindel. Der Eschenbaumschwamm beeinträchtige immer wieder die Standsicherheit, weshalb gefällt werde müsse. -gem- 

 
 

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