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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 31. Januar 2020

Gedenken: Für Demokratie kämpfen

AUF DEM HAUPTFRIEDHOF ehrten OB Mentrup, Klaus Frank (rechts vorne) und Bürgerschaftsvertreter den ermordeten Reinhold Frank. Foto: Fränkle

AUF DEM HAUPTFRIEDHOF ehrten OB Mentrup, Klaus Frank (rechts vorne) und Bürgerschaftsvertreter den ermordeten Reinhold Frank. Foto: Fränkle

 

Der Widerstandskämpfer Reinhold Frank wurde vor 75 Jahren in Berlin ermordet

„Als Verneigung vor einem großen, vor dem größten persönlichen Opfer, das ein Mensch erbringen kann“, sah OB Dr. Frank Mentrup die Kranzniederlegung zum 75. Todestag von Reinhold Frank vor dessen Gedenkstein im Hauptfriedhof.

Am 23. Januar 1945 hatten ihn die Nationalsozialisten in Berlin-Plötzensee erhängt. Außerdem, so der OB, als „Erinnerung an ihn und alle Widerstandskämpfer, als sichtbares Zeichen. Wir übernehmen die Verantwortung für das ‚Nie wieder‘!“. Und um „uns selbst im Alltag für Demokratie und Menschenrechte einzusetzen. Was wäre es für ein Gewinn gewesen, wenn Reinhold Frank kritisch den Neuaufbau der Demokratie nach 1945 hätte mitgestalten können“. Denn der angesehene Rechtsanwalt habe es sich in den Jahren der NS-Diktatur nicht einfach gemacht, sich nicht mit den Machthabern arrangiert, sondern sein eigenes Leben gefährdet, indem er im christlichen Glauben politisch Verfolgte verteidigte. Das seien aber nicht nur regimekritische Geistliche gewesen, sondern auch Sozialdemokraten oder elsässische Widerstandskämpfer, die er bis zu Prozessen vor dem gefürchteten Volksgerichtshof begleitete. Noch mehr Mut erforderte es, sich mit politisch Gleichgesinnten zu einem Gesprächskreis zu treffen, aus dem sich eine Widerstandsgruppe entwickelte und sich 1943 bei der Planung eines Umsturzes für Regierungsaufgaben danach zur Verfügung zu stellen. Das bezahlte er mit dem Leben. Ohne Grab ließen die Nazis seine sterblichen Überreste verschwinden, seine Frau durfte keine Todesanzeige veröffentlichen. Nichts sollte mehr an ihn erinnern. Dagegen geht die Stadt konsequent mit ihrer beispielhaften Erinnerungskultur an. Neben dem 1996 zum 100. Geburtstag gesetzten Gedenkstein, der Benennung der großen ehemaligen Westend- in Reinhold-Frank-Straße, einem Stolperstein vor seinem ehemaligen Büro in der Hoffstraße 2 und der jährlichen Gedächtnisvorlesung (am 17. Juli mit der DDR-Bürgerrechtlerin und Regisseurin Freya Klier). Außerdem gedenke man, kündigte Mentrup an, am 20. Mai der Deportation von 2.500 Sinti und Roma, ab 22. Oktober in einer Ausstellung im Stadtmuseum allen damaligen Geschehnissen und finde am 25. Oktober die jährliche Gedenkveranstaltung für die nach Gurs Verschleppten statt. Die Erinnerung an Frank werde zudem in seinem Geburtsort Bachhaupten und seiner Katholisch Deutschen Studentenverbindung Arminia in Freiburg wach gehalten. Die katholische Kirche würdige ihn durch einen Eintrag in das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts als „Märtyrer des christlichen Glaubens. Sein Sohn Klaus Frank wies auf weitere Würdigungen, etwa in Rottenburg hin und bedankte sich, dass die Stadt Karlsruhe den Oberschwaben Frank in seiner badischen Heimat in Ehren halte. -cal-

 
 

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