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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 14. Februar 2020

Kultur: Unvereinbares zusammen bringen

FLORIAN KÖHLER erklärt  in seiner Ausstellung in der Städtischen Galerie, wie seine komplexe Skulptur „Marlboro Lights“ zustande kam. Foto: MMG

FLORIAN KÖHLER erklärt in seiner Ausstellung in der Städtischen Galerie, wie seine komplexe Skulptur „Marlboro Lights“ zustande kam. Foto: MMG

 

Stober-Preisträger Florian Köhler in der Städtischen Galerie mit Betonskulpturen

Der „Vereinbarkeit des Unvereinbaren“ spürt Florian Köhler als aktueller Träger des Kunstpreises der Werner-Stober-Stiftung nach.

An der Kunstakademie Meisterschüler Meusers und seit 2013 in Mühlburg freischaffend, konfrontiert er das Publikum in der Städtischen Galerie mit auf den ersten Blick massiven grauen Betonskulpturen. Wer genauer schaut, entdeckt zarte Grüntöne, grobe bis filigrane Formen und immer wieder neue Oberflächenstrukturen. Den Weg zur Erklärung eröffnet der Titel der Ausstellung „Tschau Agip“, denn Köhler verwendet als Gussformen Müll von einer Tankstelle in der Nähe seines Ateliers. Styropor, Flaschen oder Getränkedosen, Plastiktüten, dazu einen Pflasterstein. Das alles setzt er spontan zusammen, fixiert mit „textilen Schleiern von Klebeband“, so Kuratorin Florentine Seifried, und gießt es mit Beton aus. Setzt  er Bauschaum zu, entsteht „grüne Färbung“ verrät der Bildhauer. Außerdem „schmeiße“ er noch „andere Sachen wie Zigarettenkippen“ hinein und variiere die Grautöne mit verschiedenen Betonsorten. Im Hinterkopf hat er bei aller Spontanität Architekturformen, aber wichtig ist ihm „ein fröhliches Wechselspiel der Strukturen“. Zudem mache es ihm Spaß, mit „nichtigen Gegenständen, die nichts kosten, zu spielen und sie zusammen zu bauen“. Auch bei den Fundamenten, die ja einiges Gewicht tragen müssen, experimentiert er, etwa mit zusammengeschweißten Schrottstücken, Paletten oder einem Transporthund. So gelingt in „Weiße Wolke“ die eigentlich unmögliche Verbindung von Wolke und Stein, setzt er bei Arbeiten ohne Titel beispielsweise ein neckisches Fries aus Gips oben auf, tauchen Bänder und Tüten auf Stein auf oder ragt eine Ölflasche hervor. All das vereint komplex „Marlboro Lights“, wo sich neben anderem eine Boxbeutelflasche „eingekuschelt“ hat. -cal-

 
 

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