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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 21. Februar 2020

Gemeinderat: Südlich Stuttgarter Straße

ZWISCHENPHASE: Gerodete und teilweise geräumte Abschnitte, auf denen die Umsiedlung der geschützten Mauereidechsen ins Zwischen-Domizil läuft, im Mittelteil (noch) genutzte Gartenparzellen. Foto: Fränkle

ZWISCHENPHASE: Gerodete und teilweise geräumte Abschnitte, auf denen die Umsiedlung der geschützten Mauereidechsen ins Zwischen-Domizil läuft, im Mittelteil (noch) genutzte Gartenparzellen. Foto: Fränkle

 

Konzept für Freimachung des Baufelds / Fortsetzung Bebauungsplan

Der Gemeinderat hat jetzt den Weg abgesteckt, mit dem das Areal südlich der Stuttgarter Straße in eine langfristige städtebauliche Neuordnung geführt werden soll. Einstimmig. „Das ist ein schönes Ergebnis für die ganze Arbeit, die dahinter steht“, so OB Dr. Frank Mentrup.

Es bleibt beim Nutzungs-Konzept, dem die Konsensus-Konferenz schon 2013 zum Durchbruch verhalf. Der Gemeinderat schluckte hierfür die „Kosten-Kröte“, denn für diese wichtige Grün-, Sport- und Erholungsfläche bedarf es erheblicher Mittel für die Baufeldfreimachung. Nach differenzierterer Betrachtung von Verwaltung und Fachfirmen konnten die Gesamtkosten für diese und Umsetzung des Nutzungs-Konzepts von 89 (2018) auf aktuell rund 74 Millionen Euro reduziert werden. Der Bebauungsplan „Südlich der Stuttgarter Straße“ wird nun fortgesetzt. Er ordnet Kleingartenflächen neu. Und ist zudem Voraussetzung für die Zusammenführung der Sportstätten der ESG Frankonia plus Vereinsheim an diesem Standort - mit der Folge, dass an der Durlacher Allee wertvolle Entwicklungsflächen freiwerden.

2018 hatten die enormen Kosten für die Beseitigung der Kriegsfolgen das Projekt zwischen Zimmerstraße und Tivoli ins Straucheln gebrach, alleine knapp 58 der 89 Millionen Euro standen für die Baufeldvorbereitung im Raum, vor allem zurückzuführen auf die Kampfmittelbeseitigung. Grundlage für das weitere Vorgehen liefert ein vertiefendes Machbarkeitskonzept, das neben der Kampfmittel-Problematik auch Aspekte des Natur- und Artenschutzes, des Bodenschutzes/Abfallrechts, die hydrologische Situation und ein Konzept für die anfallenden Erdmassen berücksichtigt.
Zur Kampfmittelbeseitigung: Da das Gelände nach dem Krieg unter anderem mit Schutt, Gaswerksabfällen und Abfällen der Reichsbahn aufgefüllt wurde, wird es auf das Niveau von 1945 abgetragen. Danach wird bis in vier Meter Tiefe in den für Kleingartennutzung und Sportflächen vorgesehenen Bereichen sondiert. Weitere zwei Meter geht es in die Tiefe im Baubereich des Vereinsheims. Das entspricht, so OB Mentrup, dem Vorgehen in der Südstadt-Ost für die nicht für Wohnungsbau genutzten Bereiche. Kostenreduzierend wirkt sich dieses abgestufte Verfahren aus, aber auch das Umlagerungs- und Auffüllkonzept. So wird das Gelände flächendeckend um rund 60 Zentimeter mit unbelastetem, überschüssigem Material angehoben - das spart enorme Entsorgungskosten. Knapp 42 Millionen Euro sind aktuell für die Baufeldfreimachung veranschlagt.

GRÜNE-Stadtrat Dr. Clemens Cremer betonte, seine Fraktion trage die Kosten für den Verwaltungsvorschlag mit: Für die Perspektive Kleingartennutzung, für die ESG Frankonia, die eine alternative Spielstätte benötige und für den Beitrag, den die Fläche fürs Grünbiotop leiste. Die CDU stellte das Nutzungskonzept für sich nicht in Frage, setzte sich jedoch dafür, das gesamte Areal sechs Meter unter der Sohle von 1945 abzutragen. „Wir wollen das Problem nicht für spätere Generationen verbuddeln“, meinte CDU-Stadtrat Detlef Hofmann. Die CDU fand jedoch keine Befürworter, auch nicht für den Vorstoß, angesichts der Kostenentwicklung die Konsensus-Konferenz fortzuführen, um „die Bürger noch einmal mitzunehmen“. Michael Zeh (SPD), Jürgen Wenzel(FW/FÜR) oder Dr. Paul Schmidt (AfD) wollten, dass südlich der Stuttgarter Straße endlich die Zukunft beginnt. Dies, so Lüppo Cramer (KAL/Die Partei), nach „einem der besten Bürgerbeteiligungsprozesse, die ich in den letzten zehn Jahren erlebt habe“. Dabei sollte man der Öffentlichkeit von der über elf Hektar großen Fläche so viel wie möglich zugänglich machen, wünschte Tom Høyem (FDP). -rie-

 
 

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