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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 21. Februar 2020

Generallandesarchiv: Geschichte in Kunst transformiert

BLICK in die Ausstellung im Generallandesarchiv  Foto: Fränkle

BLICK in die Ausstellung im Generallandesarchiv Foto: Fränkle

 

Schau im GLA gilt einzigartigem übergreifendem Seminarprojekt von drei Gymnasien

„Wieviel Geschichte steckt in Dir? Nationalsozialismus in Karlsruhe“, die noch bis zum 24. April im Generallandesarchiv (GLA) laufende Ausstellung dokumentiert eine einzigartige Verbindung von historischen schulübergreifenden Seminarkursen des Helmholtz-, Bismarck- und Goethegynasiums. Inklusive Archivarbeit im GLA sowie Stadt- bis zum Bundesarchiv und vom ZKM begleiteter künstlerischer Umformung der Ergebnisse.

Anknüpfend an die inzwischen auch via GPS zugängliche alternative Stadtrundfahrt des Stadtjugendausschusses auf Spuren von NS-Tätern, Opfern und Widerstand, dockten sich auch die Uni Heidelberg und das KIT an. Preisgekrönt 2019 beim Wettbewerb des Bundespräsidenten, wurden so für rund 70 Lernende in fünf Jahren ihre einjährigen Seminararbeiten zu emotional tief verankerten Erlebnissen.

Da ging es etwa 2015 anhand von Einzelschicksalen um das NS-Euthanasie-Programm, visualisiert mit einer Tapete von Propaganda-Plakaten oder 2016 um Eugenik, ins Bild gebracht mit einem Ultraschallvideo einer Schwangeren und Audioaufnahmen, die die NS-Ideologie und moralische Sichtweisen kontrastieren.

2017 hieß ein auf die Kunst unter den Nazis zielendes Thema „Fenster in die Vergangenheit“. Dafür wurde einem damals von Schülern im Unterricht gemalten, ideologischen Wandbild praktisch, handfest und filmisch nachgespürt. 2018 erinnerte ein Würfelpuzzle an „Die ‚Arisierung‘ alteingesessener Karlsruher Unternehmen“ wie dem Warenhaus Knopf, heute Karstadt. Und 2019 versuchten die Jugendlichen Geschichte zu sehen, zu hören oder zu spüren, auch bei Zwangsarbeitern.

Der Nationalsozialismus galt jeweils als Prüfstein für das heutige historische-politische und ethische Selbstverständnis inklusive Fragen nach individuellen Handlungsspielräumen oder Machtmechanismen. Das GLA ergänzte die Schau noch mit der Geschichte des späteren Rektors der Tullaschule Otto Härdle und damit der Frage nach den Handlungsmöglichkeiten eines unangepassten Lehrers und SPD-Mit¬glieds. Für die Ausstellungen der Arbeiten entstand zuerst ein transportabler hölzerner Würfelraum, der in den folgenden vier Jahren verändert, dekonstruiert, aufgespalten und vernetzt sowie schließlich verdichtet und aufgelöst wurde. -cal-

 
 

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