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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 21. Februar 2020

Kultur: Was Geschichte heute lehren kann

IM  ARCHIV stellte Susanne Asche mit Herausgebern und Verleger Klaus Lindemann (l.) das Werk über die Weimarer Zeit in Karlsruhe vor. Foto:Fränkle

IM ARCHIV stellte Susanne Asche mit Herausgebern und Verleger Klaus Lindemann (l.) das Werk über die Weimarer Zeit in Karlsruhe vor. Foto:Fränkle

 

„Aufbrüche und Krisen. Karlsruhe 1918-1933“ heißt die Sammlung von 15 Aufsätzen, mit der das Stadtarchiv durch einen opulenten „Blick in die Geschichte die Schärfung des Blicks auf die Gegenwart“ ermöglicht, so Kulturamtsleiterin Dr. Susanne Asche bei der Präsentation.

„Aufschrecken lassen uns“ danach heute Aspekte wie „Antisemitismus in Parteien am rechten Rand, noch erweitert um völkisch rassistische Positionen, politisch motivierte Morde, Rechtsextreme im Polizeiapparat sowie andere Menschen ausgrenzende Hassreden“. Dagegen stand und steht „mutiges Eintreten für Demokratie und Menschenrechte“. Das 520-seitige Buch von 13 Forschenden ist auch wissenschaftliche Grundlage für die ab 28. Februar im Stadtmuseum laufende Weimar-Schau „Charleston und Gleichschritt“.

Dank erweiterter Quellenlage durch Nachlässe, inklusive bisher unbekannter Bilder wie dem Titelbild der Demonstration 1920 gegen den Kapp-Putsch vor dem Rathaus sowie erleichtertem Zugriff auf digitalisierte Zeitungen erweitert es frühere stadtgeschichtliche Publikationen. So kommt etwa  Dr. Ernst Otto Bräunche zum Schluss, dass die demokratischen Parteien der Weimarer Koalition heftigste Krisen der ersten fünf Jahre meisterten, Antisemitismus aber schon früh auf die Bedrohung von rechts hinwies und das System erst nach der Weltwirtschaftskrise 1929 samt Berliner Notverordnungen kippte.

Der Heidelberger Historiker Prof. Dr. Frank Engehausen zeigte das Dilemma der lange wehrhaften badischen Regierung, behindert durch Berlin, in einer pluralistischen rechtsstaatlichen Gesellschaft die den Rechtsstaat ausnutzenden Nazis zu bekämpfen. Als dritter Herausgeber belegte Jürgen Schuhladen-Krämer wie die Stadt anfangs zur Linderung der Wohnungsnot erfolgreich eigene Wohnungsbauprogramme auflegte, gemeinnützige Baugenossenschaften förderte, dann aber seit 1924 auf den privaten Bau setzte, so dass überwiegend „bessere“ Mittelwohnungen entstanden und soziales Bauen vernachlässigt wurde.  Erschienen ist der Band für 24,90 Euro im Info-Verlag. -cal-

 
 

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