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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 15. Mai 2020

Städtische Galerie: Verrätselte Architekturen

OHNE TITEL ist  Peter Ackermanns abstraktes Bild von 1987, in dem sich Architekturformen nur noch erahnen lassen.  Foto: Pelz

OHNE TITEL ist Peter Ackermanns abstraktes Bild von 1987, in dem sich Architekturformen nur noch erahnen lassen. Foto: Pelz

 

In die zugleich faszinierenden und fremden Bildwelten des Malers und Grafikers Peter Ackermann entführt die Städtische Galerie ab 13. Mai eintrittsfrei in ihrer nächsten Sonderausstellung.

Die Arbeiten knüpfen stets an das Thema Architektur an. Ackermanns zum Teil ungewöhnliche Zusammenschau von Bauelementen – zum Beispiel von Fassaden und Innenräumen, die wie kulissenhaft ineinander verschoben scheinen – geben dem Publikum Rätsel auf. Die Bauten sind unbewohnt. Der Mensch ist nur indirekt anwesend als derjenige, der sie schuf und nutzte. Die Bauwerke, ihre Schmuckformen sowie ihre zeitliche Gebundenheit und Vergänglichkeit bilden die wesentliche Grundlage im Schaffen des Künstlers, der er im Laufe der Jahrzehnte immer neue Facetten abgewann. Mit seinen bildmäßigen, geheimnisvollen Radierungen gehörte Peter Ackermann am Beginn der 1970er Jahre zu den begehrtesten deutschen Grafikern, ohne seine Malerei zu vernachlässigen.

Beispielhaft steht dafür etwa das Blatt „Marx im Lesesaal des British Museum“ aus dem Jahr 1965. Vor einem ruinösen Bühnenprospekt schwebt die verfremdete Büste des Philosophen. Es stammt aus der zehnteiligen Mappe „„Marx und Engels in London“, in der sich der Künstler mit zeitgenössischen Diskussionen auseinandersetzt. In den 1960er und 70er-Jahren entwickelte er eine fantasievolle Bildersprache, wo er seinen Darstellungen collegeartig bildfremde Bauteile einfügte. Danach wandte er sich verstärkt den Grenzbereichen zwischen Innen und Außen sowie dem Innenraum selbst zu. In delikater Farbigkeit findet er schließlich über eine abstrahierende Gestaltungsweise zu einer freien Formensprache, die sich nicht mehr an die reale Welt rückkoppeln lässt.

Nach einer längeren Phase freischaffender Tätigkeit sollte 1977 ein wegweisendes Jahr für Ackermann werden: Damals hatte er seit kurzem eine Professur an der Hochschule der Künste in Berlin inne, er war eingeladen, an der documenta 6 in Kassel teilzunehmen und er folgte dem Ruf an die Staatliche Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe, wo er bis zu seiner Emeritierung 1997 lehrte.

Die Präsentation gibt so bis 13. September einen konzentrierten Einblick in sein künstlerisches Schaffen und umfasst 45 Zeichnungen, Radierungen, Aquarelle, Gouachen und fünf Gemälde aus den Jahren 1965 bis 1999. Sie alle gehören der Städtischen Galerie Karlsruhe. -red-

 
 

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