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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 31. Juli 2020

Gemeinderat: Krise der Majolika dauert weiter an

WIE GEHT ES WEITER MIT DER MAJOLIKA?: Die Zukunft der 1901 gegründeten und seit 2011 von städtischen Zuschüssen abhängigen Keramik-Manufaktur bleibt unsicher - trotz des erklärten Willens zu deren Erhalt. Foto: Fränkle

WIE GEHT ES WEITER MIT DER MAJOLIKA?: Die Zukunft der 1901 gegründeten und seit 2011 von städtischen Zuschüssen abhängigen Keramik-Manufaktur bleibt unsicher - trotz des erklärten Willens zu deren Erhalt. Foto: Fränkle

 

Ringen um Erhalt der Keramik-Manufaktur / Zuschüsse an Konzept zum Fortbestand gekoppelt

Die Krise der Majolika ist längst nicht überwunden, Verhandlungen der Majolika-Stiftung mit der Zeller Keramik Manufaktur als potentiellem Investor ziehen sich ohne absehbares Ergebnis hin. Zur übergangsweisen Sicherung des künstlerischen Betriebs beschloss der Gemeinderat mit großer Mehrheit gegen die Stimmen der FW/FÜR-Fraktion, im Haushalt 150.000 Euro bereitzustellen. Eine Zwischenlösung, geknüpft an Bedingungen.

Das Geld an die Stiftung fließt im Jahr 2021 nur, wenn ein schlüssiges Konzept und ein Wirtschaftsplan vorliegen, die den Fortbestand der Keramikmanufaktur sichern. OB Dr. Frank Mentrup wertete das Votum trotz aller Bedenken als „starkes Signal“ der Politik, für den Weiterbestand der Majolika einstehen zu wollen, allerdings müsse man rasch „zu tragfähigen Lösungen kommen“. Die FDP betrachtet die Majolika nicht als Wirtschaftsunternehmen, sondern als historisch gewachsenes Kulturgut und als solches bedürfe es weiterer Hilfen.

In einem vom Plenum abgelehnten Ergänzungsantrag setzten sich die Liberalen deshalb zusätzlich für einen Mietverzicht durch die KVVH GmbH ein. Ohne diesen „überlebt die Majolika keine sechs Monate“, drängte Thomas Hock (FDP) auf Klarheit und Konsequenz. Die gewerbliche Zeit der Majolika sei vorbei, lehnte Renate Rastätter für die Grünen jedoch einen Verkauf an Zeller Keramik als „berühmt-berüchtigtem Strohhalm“ ab. Ihr schwebe an diesem besonderen Ort die Ermöglichung kreativ-künstlerischer Entwicklung in einem „kleinen Zentrum mit Mehrwert für die Stadtgesellschaft“ vor.

Der jetzt in Aussicht gestellte Zuschuss sei lediglich ein Anreiz, keine „Blankovollmacht“. Wie es mit der Kunstkeramikwerkstätte weitergeht ist nach den Worten von Elke Ernemann (SPD) eine „Grundsatzfrage“, spätestens „wenn der große finanzielle Wurf“ unausweichlich werde „müssen wir uns entscheiden“. Die kurzfristig vorgelegte Strategie des jüngst berufenen Geschäftsführers Klaus Gutowski überzeuge sie nicht, sie ähnle der seines Vorgängers.

Für Lüppo Cramer (KAL/Die PARTEI) zählte „Handwerkskunst, nicht Massenware“, jetzt gelte es, genau zu prüfen, „was uns die Majolika als Kunstbetrieb wert ist“. Lage und Rahmenbedingungen ließen „gewinnbringende gewerbliche Nutzung nicht zu“, trotzdem wollte Karin Binder (DIE LINKE) die Majolika „mit vereinten Kräften erhalten“.

Der Faden zwischen Stiftungsrat und privatem Investor „darf nicht abreißen“, forderte Dr. Rahsan Dogan (CDU) konstruktive und professionelle Gespräche. Seit Jahren hänge die Traditionsstätte im Hardtwald am städtischen Tropf, sie müsse auf eigenen finanziellen Beinen stehen. Er sehe nicht, „wie sie ohne Hilfe gehalten werden kann“, wer die Kosten für Gebäudesanierung und Öfen in Millionenhöhe übernehme, meldete sich ihr Fraktionskollege Detlef Hofmann zu Wort, da müsse endlich „Butter bei die Fische“.

Es brauche die Kooperation mit „kommerzieller Fertigung“ sowie „den Willen, Vertragsverhandlungen auch zu Ende zu bringen“, meinte Dr. Paul Schmidt (AfD), seine Geduld sei erschöpft. Ebenso die von Friedemann Kalmbach. „Wir gehen diesen Weg nicht mehr mit“, verweigerte er die Zustimmung von FW/FÜR. Seiner Fraktion sei wichtig, so Kalmbach, den Druck zu erhöhen, „damit sich endlich ernsthaft was bewegt“, noch immer sei „kein Preisschild dran“, lägen weder konkrete Zahlen noch Wirtschaftsplan vor. -maf-

 
 

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