Sprung zur Navigation. Sprung zum Inhalt, Sprung zur Suchmaschine

Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 25. September 2020

Exkursion: Stadtwald in katastrophalem Zustand

KATASTROPHAL: Eindringlich schilderte Forstamtsleiter Ulrich Kienzler (in der Hand das Blatt einer Ulme) gemeinsam mit Bürgermeisterin Bettina Lisbach die aktuelle Situation des Stadtwalds. Foto: Knopf

KATASTROPHAL: Eindringlich schilderte Forstamtsleiter Ulrich Kienzler (in der Hand das Blatt einer Ulme) gemeinsam mit Bürgermeisterin Bettina Lisbach die aktuelle Situation des Stadtwalds. Foto: Knopf

 

Exkursion mit Ausschüssen im Distrikt Rißnert / Forst zeigt enormes Schadensbild

Praxis statt Theorie - zu einer Waldexkursion trafen sich kürzlich zwei Ausschüsse des Gemeinderats sowie der Naturschutzbeirat, um sich mit Forstamtsleiter Ulrich Kienzler und Bürgermeisterin Bettina Lisbach ein Schadensbild des Stadtwalds im dritten Dürrejahr zu machen. Gemeinsam beging man den Stadtwald (Distrikt Rißnert) bei Rüppurr. Waldzustand, Waldökologie und die Situation der Verkehrssicherung (herabfallende Äste) standen auf der Agenda.

Was der Forstamtsleiter dem Ausschuss für öffentliche Einrichtungen und dem Ausschuss für Umwelt und Gesundheit mitteilen musste, war desillusionierend: „Wir stehen vor einer Katastrophe. Wir haben massive Schäden im Wald. Hinzu kommt die Thematik Verkehrssicherungspflicht.“

Man habe rund 110 Kilometer Waldrand an Straßen und Bahnschienen. „Hier, die Buche, eigentlich ein robuster Baum, aber kaputt. Wir sägen Äste ab, wo wir können, um die Stabilität zu sichern. Aber wir kommen nicht mehr hinterher. Das belastet unsere Mitarbeiter“, führte Kienzler aus, der auf die angespannte Personalsituation beim Forstamt hinwies. Fachkräfte seien schwer zu finden.

Eingangs wies Lisbach darauf hin, wie wichtig es sei, sich vor Ort den Zustand des Waldes anzuschauen. „Wir plagen uns mit dem dritten extremen Trockenjahr herum. Das sind die Folgen“, sagte Lisbach, die jedoch auch die vom Gemeinderat beschlossene Waldanpassung lobte. Ob Bergahorn, Rotbuche, Eiche, Esche („ein Totalausfall“) – das Schadensbild sei immens, bilanzierte Kienzler, der Zahlen sprechen ließ. Normalerweise stehen zur ökonomischen Nutzung 14.200 Kubikmeter an Festmetern Holzmenge im Stadtwald zur Verfügung.

2018 habe man 13.000 Kubikmeter verwertet, 2019 waren es 9.700, dieses Jahr soweit nur noch 6.300. Schadensbedingt beträgt der Ausfall (2018: 9 Prozent, 2019: 29 Prozent) aktuell gar 63 Prozent. Rußrindenpilz oder Buchdrucker (Käfer) schädigten den Wald massiv. Kienzler monierte sein Missfallen, dass immer von „schönem Wetter“ für die Freizeitindustrie die Rede sei und plädierte, beim Waldspaziergang öfter nach oben zu schauen, um die kaputten Baumkronen ins Visier zu nehmen.

Man müsse den Wald aus vielen Perspektiven betrachten – von Biodiversität über Freizeitnutzung bis zur Ökonomie, konstatierte Kienzler. „Jeder interpretiert den Wald anders“, so der Forstamtsleiter zu den vom Waldzustand betroffenen Ausschussmitgliedern. Auf eine Pflanzaktion wies Revierförster Bernd Struck hin. „Den Eichen müssen wir helfen, ohne Eingriff haben sie keine Chance, sich zu entwickeln.“ Es werde einem auch angst und bange, wie schnell der Heldbock die Bäume besiedele.-voko-

 
 

Zur Übersicht der Wochenausgabe