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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 2. Oktober 2020

Auftakt zur Bürgerbeteiligung für Innenstadt-Konzept: Lebensqualität im Fokus

DIE CITY UND IHRE WICHTIGEN ACHSEN neuzugestalten, war Anliegen der Akteure wie der Bürgerschaft im Südwerk. Foto: MMG

DIE CITY UND IHRE WICHTIGEN ACHSEN neuzugestalten, war Anliegen der Akteure wie der Bürgerschaft im Südwerk. Foto: MMG

KARLSRUHES WOHLFÜHLFAKTOR will Planerin Bundesen-Svarre (Leinwand) stärken. Foto: Knopf

KARLSRUHES WOHLFÜHLFAKTOR will Planerin Bundesen-Svarre (Leinwand) stärken. Foto: Knopf

 

City verstärkt für Fußgänger, Radfahrer und Kultur

Nach Fertigstellung der Kombilösung soll die Innenstadt ein „neues Gesicht“ erhalten. Dieses Konzept zu entwickeln, ist das Ziel des IQ-Leitprojekts Öffentlicher Raum und Mobilität Innenstadt (ÖRMI).

Innovative Lösungsansätze dafür verspricht sich die Stadt von drei namhaften Planungsbüros, die an dem Prozess beteiligt sind: Argus (Hamburg, Verkehr), Weeber + Partner (Stuttgart, Beteiligung) und Gehl (Kopenhagen, Planung). Der Mensch soll in den Mittelpunkt rücken. Während in den Fünfzigern und Sechzigern die autogerechte Stadt realisiert wurde, sollen nun Fußgänger, Radfahrer und Kultur mehr Raum erhalten – auch für mehr Aufenthaltsqualität.

Vorige Woche fand der Auftakt der Bürgerbeteiligung zur Erarbeitung des Konzepts im Südwerk statt. Erfreut darüber, die Planer aus Kopenhagen gewonnen zu haben, zeigte sich OB Dr. Frank Mentrup. „Das Büro hat hohes internationales Renommee, gilt als führend in der Gestaltung des öffentlichen Raums.“ Kopenhagen wurde bereits mehrmals zur lebenswertesten Stadt der Welt gekürt – mit ein Verdienst der Planungen des Architekten Jan Gehl und seines Teams.

„Es ist ein ambitioniertes Projekt. Wir laden Bürger, Verbände und Initiativen ein, daran mitzuwirken“, erklärte das Stadtoberhaupt. So wird es Reallabore, Befragungen, Zukunftswerkstatt, Expertenkolloquium geben. Anfang 2022 wird das Konzept präsentiert: „Wir müssen die Stadt neu denken. Der Handel befindet sich im Wettbewerb mit dem Internet. Mobilität ist ein wichtiger Faktor.“ Plätze werden eine zentrale Rolle spielen, auch die östliche Kaiserstraße, die Lieferhöfe, ein mögliches Entrée für die Kunsthalle oder die Südliche Waldstraße.

Zudem: Nicht erst in etlichen Jahren soll das Konzept greifen. Sinnvolle temporäre Lösungen seien auch kurzfristig möglich. Pandemiebedingt zugeschaltet war Birgitte Bundesen-Svarre (Direktorin Gehl) aus der dänischen Hauptstadt. Sie sah in Karlsruhe enormes Potenzial, sprach von einer Pionierstadt bei ÖPNV, Rad, Carsharing. Ihr Büro arbeite mit einem ganzheitlichen Ansatz zur Umwandlung in eine „Soft City“.

Dabei stünden Mensch, Gesundheit, Biodiversität und Grün im Fokus. Sie berichtete am Beispiel Kopenhagen, dass sich viermal mehr Menschen in der Innenstadt bewegten, nachdem man der „Stadt für Autos“ Flächen nahm.
Das Büro arbeitete unter anderem für New York (Pflanzenkübel und Stühle am Times Square) oder Bern (Geschäfte sichtbarer, nachdem Parkplätze davor wegfielen). Eines sei immer signifikant: Die Menschen wünschten sich nicht-kommerzielle Plätze zum Verweilen. „Karlsruhe soll eine Wohlfühlstadt werden. Mensch und Lebensqualität kommen zuerst“, sagte die Planerin.

Bei der Diskussion gab es Fragen vom Behindertenbeirat, ob das Konzept zum Blindenleitsystem passe, was der OB bejahte. Ob Parkhäuser noch nötig seien, dazu sagte Bürgermeister Daniel Fluhrer, dass es keine Radikallösungen geben werde. Die Zufahrt zur Innenstadt bleibe gewährleistet, jedoch werde das Rad(schnell)wegekonzept ausgebaut. Mentrup erklärte, die Betreiber seien offen für neue Ideen wie Radparkhäuser. Zum Klimaschutz sei intendiert, den motorisierten Individualverkehr um ein Drittel zu reduzieren und die ÖPNV-Zahlen zu verdoppeln. -voko-

 
 

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