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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 16. Oktober 2020

Fachtag Armutsbekämpfung: Gegen Segregation und Exklusion

GEMEINSAM AKTIV: Sozialminister Mane Lucha (r.) und BM Martin Lenz bei der Karlsruher Tagung gegen Armutsbekämpfung. Foto: Fränkle

GEMEINSAM AKTIV: Sozialminister Mane Lucha (r.) und BM Martin Lenz bei der Karlsruher Tagung gegen Armutsbekämpfung. Foto: Fränkle

 

Soziale Architektur und bessere Chancen für Kinder als Lösungsansätze / Sozialminister Manne Lucha zu Gast

Armut hat viele Gesichter. Wirtschaftliche Notlagen zählen ebenso dazu wie fehlende Aufstiegschancen und erschwerter Zugang zu Bildung. Aber auch in der Fragmentierung einer Stadtgesellschaft kann sich Armut widerspiegeln. „Quartiere der Einen und der Anderen“, so der Wiener Professor Jens Dangschat, entwickeln sich.

Was solchen Tendenzen der Fragmentierung entgegengesetzt werden kann, war Thema des von der städtischen Sozial- und Jugendbehörde organisierten und von Amtsleiterin Karina Langeneckert moderierten Fachtages Armutsbekämpfung. „Segregation und Exklusion entgegenzuwirken sind Kernziele der strategischen Armutsbekämpfung“, betonte Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup in seinem Grußwort. Daher seien soziale Wohnraumversorgung und Stadtentwicklung wichtige kommunale Handlungsfelder. Dank starker Partner wie der Volkswohnung, den Genossenschaften und der Fachstelle Wohnungssicherung sei es gelungen, so Mentrup, „in Karlsruhe die Segregation aufzuhalten“.

Auch das Land Baden-Württemberg setzt auf die Stärkung sozialer Quartiere, da dies „eine sorgende Gesellschaft ausmacht“, wie Sozialminister Manne Lucha beim Pressegespräch im Tollhaus sagte. Eine wichtige Strategie, um Ausgrenzung zu verhindern und eine achtsame soziale Gesellschaft zu fördern, seien zudem flächendeckende stabile Präventionsnetzwerke gegen Kinderarmut. „Wir wollen die Leitplanken setzen, damit man sich ideal entwickeln kann“, ergänzte Lucha.

Ein weiterer wichtiger Baustein bei der Armutsbekämpfung sei nach Ansicht der Karlsruher Integrationsbeauftragten Meri Uhlig die Gleichbehandlung der Menschen, schließlich sei „jeder, der in Karlsruhe lebt, ein Karlsruher“. Generell habe Karlsruhe in dieser Hinsicht geringe Probleme, bescheinigte Prof. Dr. Marcel Helbig von der Uni Erfurt, während andernorts bereits existierende soziale Probleme durch Arme mit Migrationshintergrund verschärft worden seien.

Einig waren sich alle Referenten, darunter auch Pfarrer Wolfgang Stoll als Vertreter der Liga der freien Wohlfahrtspflege, dass die Corona-Pandemie Auswirkungen auf die Armutsentwicklung haben könnte. Nun zahle sich die kontinuierliche Arbeit der letzten Jahrzehnte aus, sagte Bürgermeister Martin Lenz: „Sozialer Frieden fällt nicht vom Himmel und wer vorher kein strategisches Konzept hatte, der hat jetzt den Aktionismus am Hals“. -eck-

 
 

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