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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 16. Oktober 2020

Welttag seelischer Gesundheit: Depression im Blick

Corona verstärkt Rückzugsverhalten

Jahr für Jahr ist neben dem permanenten Engagement um Ansprache, Beratung und Aufklärung die Veranstaltungsreihe um den Welttag der seelischen Gesundheit am 10. Oktober schon deshalb wichtig, weil psychisches Leiden zwar längst Volkskrankheit, aber noch immer nicht entstigmatisiert ist.

Mit Corona kommt allgemeine soziale Isolation zum typischen Rückzugsverhalten hinzu. Darum rückten Stadt und Kreis die Depression in den Fokus, dazu speziell den Umgang mit einer Pandemie. „Es wurde ja die Welt angehalten“, fand Karlsruhes Sozialbürgermeister, Schirmherr Martin Lenz, den Welttag 2020 umso wichtiger bei besonders gebotenem Gemeinschaftsgefühl. Um das kommunale zu stärken, sprach er in diesem Kontext bewusst vom „Sozialrathaus der Sozialregion“ in Bezug auf das Landratsamt, Ort des Pressegesprächs zum Aktionsreigen. Der fiel klar kleiner aus sonst, fand aber immerhin statt: mit einigen Präsenz-, mehreren Online-Angeboten.

Auf karlsruhe.de/corona abrufbar ist ein Interview mit Karlsruhes OB Dr. Frank Mentrup, der als früherer Arzt der Psychiatrie über seelische Gesundheit in Krisenzeiten und Auswirkungen auf die Stadtgesellschaft spricht. Impulsvorträge und Online-Workshops widmeten sich Medienkonsum, Prof. Michael Berner (Städtisches Klinikum) referierte zu Depressionen – Ursachen, Symptome, Therapie. Die Prävention ist allen ein Anliegen, zumal es, wie Dr. Vera Onken vom Gesundheitsamt anmerkte, Betroffenen an Antrieb fehle. Nicht nur viele Ärzte warnten vor einem neuen Lockdown, schon heute gaben sechs von zehn Jugendlichen in einer Erhebung „niedrige Lebensqualität“ an. Quarantäne sei eine besondere Herausforderung, körperliche Folge- oder Begleiterkrankung ohnehin zu erwarten. „Je weniger Vorräte, soziale Kontakte und Zugriff auf digitale Angebote, desto schlimmer.“

Für „mehr Nachbarschaftshilfe und Menschlichkeit“ warb die mitorganisierende Psychiatriekoordinatorin der Stadt, Marion Schuchardt. Mit besorgniserregenden Zahlen seelisch Erkrankter, die ein deutlich gestärktes, aber schon vor Corona nicht ausreichendes psychotherapeutisches und psychiatrisches Angebot erforderten, gehe ein volkswirtschaftlicher Schaden von 13 Milliarden Euro durch Arbeitsausfälle einher, erklärte die Sozialdezernentin des Kreises, Margit Freund. Sie betonte aber auch: Corona „hat uns nicht aufgehalten, uns zu engagieren“ (karlsruhe.de/wsg). -mab-

 
 

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