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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 30. Oktober 2020

Gurs: An Deportation erinnern

Erinnerung an Deportation vor 80 Jahren: EB Luczak-Schwarz sprach vor Mitgliedern der jüdischen Kultusgemeinde auf dem Hauptfriedhof. Foto: Fränkle

Erinnerung an Deportation vor 80 Jahren: EB Luczak-Schwarz sprach vor Mitgliedern der jüdischen Kultusgemeinde auf dem Hauptfriedhof. Foto: Fränkle

1.250 Opfer liegen auf dem Friedhof des Lagers in Gurs beerdigt. Foto: pr

1.250 Opfer liegen auf dem Friedhof des Lagers in Gurs beerdigt. Foto: pr

Für die Pflege eines erweiterten kollektiven Gedächtnisses der Bevölkerung warb Staatsministerin Schopper im Generallandesarchiv. Foto: Fränkle

Für die Pflege eines erweiterten kollektiven Gedächtnisses der Bevölkerung warb Staatsministerin Schopper im Generallandesarchiv. Foto: Fränkle

 

Kollektives Gedächtnis im Kampf gegen Antisemitismus / Staatsministerin Schopper sprach bei Gedenkveranstaltung im Generallandesarchiv

„Erinnern für die Gegenwart“ – unter dieses Motto stellte nicht nur Theresa Schopper, Staatsministerin des Landes Baden-Württemberg, ihre Rede zum 80. Jahrestag der Deportation jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger ins französische Lager Gurs. Vielmehr waren sich alle Teilnehmer der Gedenkveranstaltungen am 22. Oktober einig, dass die Ereignisse von 1940 fester Bestandteil des kulturellen und kollektiven Gedächtnisses sind und bleiben müssen.

„Die Empathie den Opfern gegenüber ist ein Ansporn, der gesellschaftlichen Verantwortung für die Zukunft gerecht zu werden“, betonte Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup bei der Feierstunde im Generallandesarchiv. Das Wissen um die schrecklichen Ereignisse in der „Vorhölle von Auschwitz“, wie Gurs von den Zeitzeugen genannt wurde, müsse auch außerhalb von Gedenktagen an die kommenden Generationen weitergegeben werden. Mentrup: „Um auszuschließen, dass sich die Geschichte wiederholt.“ Auch Solange Rosenberg, Vorsitzende der jüdischen Kultusgemeinde Karlsruhe, wandte sich entschieden gegen jegliche Forderungen nach einem „Schlussstrich“ unter die Vergangenheit: „Vergessen ist nicht möglich“.

Wie aber kann die Erinnerung lebendig gehalten werden, wenn es bald keine Zeitzeugen mehr gibt, fragte Staatsministerin Schopper. Hier sei die Pflege eines kulturellen und kollektiven Gedächtnisses der richtige Ansatz. Es „müssen auch jene leidvollen Erfahrungen einen Platz finden, die uns mahnen, wach und sehend durch die Gegenwart in die Zukunft zu gehen“, sagte Schopper.

Daher fördere das Land Baden-Württemberg ein Digitalisierungsprojekt mit den Biogrammen der Deportierten. „6.500 ist zunächst eine nüchterne Zahl“, erläuterte Dr. Martin Stingl vom Landesarchiv, „wir wollen nun die Bandbreite der individuellen Schicksale deutlich machen“. Wie Kulturamtsleiterin Dr. Susanne Asche ergänzte, hatte die Stadt Karlsruhe diese Intention schon vor 20 Jahren mit dem Gedenkbuch für die Karlsruher Juden.

Bereits am Nachmittag des 22. Oktober erinnerte Erste Bürgermeisterin Gabriele Luczak-Schwarz gemeinsam mit den Mitgliedern der jüdischen Kultusgemeinde Karlsruhe auf dem Hauptfriedhof an den Jahrestag der Deportation. Zum Gedenken legten die Teilnehmer symbolisch einen Stein am Denkmal für die jüdischen Opfer des NS-Terrors nieder, nachdem Oberrabiner Shlomo Yhudovitz das Gebet El Male Rachamim vorgetragen hatte. Auch unter Corona-bedingten Einschränkungen sei es wichtig, „von Karlsruhe aus ein Zeichen zu setzen“, sagte Luczak-Schwarz. Stärker werdende rechtsextremistische Tendenzen müssten konsequent zurückgewiesen werden, denn „Antisemitismus bedroht nicht nur die jüdischen Bürgerinnen und Bürger in unserem Land, er gefährdet die grundlegenden Werte unserer Demokratie“.

Da die Vertreter der Kommunen aus Baden und der Pfalz sowie die Angehörigen der Israelitischen Religionsgemeinschaften die Reise nach Gurs absagen mussten, organisierten die französischen Partner stattdessen vor Ort eine stilles Gedenken auf dem Deportiertenfriedhof des einstigen Lagers. -eck-

 
 

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