Sprung zur Navigation. Sprung zum Inhalt, Sprung zur Suchmaschine

Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 4. Dezember 2020

Drogenkonsumraum: „K76“ ist etabliert

UNAUFFÄLLIG läuft der Betrieb des Drogenkonsumraums. Foto: Fränkle

UNAUFFÄLLIG läuft der Betrieb des Drogenkonsumraums. Foto: Fränkle

 

Einjahresbilanz vorgelegt

Knapp ein Jahr nach Eröffnung des ersten baden-württembergweiten Drogenkonsumraums in Karlsruhe hat sich nicht nur der Name „K76“ (für den Standort in der Kriegsstraße 76) eingebürgert, auch das Angebot wird angenommen. Über 100 Schwerstabhängigen haben seither in der Einrichtung mitgebrachte Suchtmittel wie Opioide, Kokain, Amphetamine und deren Derivate sowie Benzodiazepine unter hygienischen Bedingungen und unter Aufsicht konsumiert.

Damit sei die Zielvorgabe eines neuen Bausteins im niedrigschwelligen Drogenhilfesystem in Karlsruhe erfüllt, zieht die Steuerungsgruppe aus Stadt, AWO, Polizei und Staatsanwaltschaft ein positives Fazit. Auch der Betrieb des Drogenkonsumraums sei „bislang unauffällig und unspektakulär“, die teilweise im Quartier vor der Eröffnung befürchtete Verlagerung der Drogenszene an den Lidellplatz habe sich nicht bewahrheitet. Laut übereinstimmenden Aussagen sowohl der Polizei als auch der Staatsanwaltschaft gab es bisher keine polizeilichen Auffälligkeiten hinsichtlich eines neuen offenen Drogenkonsumtreffpunkts im unmittelbaren Umfeld des K76. Auch Beschwerden von Anwohnerinnen und Anwohnern blieben aus.

Die Ergebnisse stimmten zuversichtlich, so der Steuerungskreis, der Drogenkonsumraum werde gut angenommen, das Vertrauen in die Einrichtung wachse. Drogenkonsumräume können eine wichtige Überlebenshilfe für Betroffene sein. Sie bieten besonders in akuten Situationen professionelle Unterstützung. Auch hier zeigt die Erfahrung aus einem Jahr K76-Arbeit, wie wichtig die Betreuung vor Ort ist. Gleich viermal in zwölf Monaten konnte durch die Soforthilfe der Mitarbeitenden auf Drogennotfälle unmittelbar reagiert und somit potenzielle Todesfälle durch Überdosierungen verhindert werden.

Seit Beginn der Corona-Pandemie hat sich im Drogenkonsumraum kaum etwas verändert - die Einrichtung läuft im Normalbetrieb und ist auch aktuell uneingeschränkt von montags bis samstags sowie an Feiertagen von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Um der Corona-Verordnung, vor allem aber den präventiven Abstandsregeln Folge zu leisten, wurden die vier Konsumplätze allerdings auf zwei Plätze, die Warteplätze von zwei auf einen reduziert. Der erste Drogenkonsumraum Baden-Württembergs hat Pilotcharakter. Der Gesamtprozess ist zunächst probeweise auf zwei Jahre angelegt. -red-/-maf-

 
 

Zur Übersicht der Wochenausgabe