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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 8. Januar 2021

Stadtgeschichte: Eine Verlegerin mit Werten

VERLAGSGRÜNDERIN: Ingeborg Stahlberg im Jahr 1956. Foto: Stadtarchiv Karlsruhe

VERLAGSGRÜNDERIN: Ingeborg Stahlberg im Jahr 1956. Foto: Stadtarchiv Karlsruhe

 

Ingeborg Stahlberg wurde an Dreikönig vor 100 Jahren geboren

Am Dreikönigstag jährte sich zum 100. Mal der Geburtstag der Verlegerin Ingeborg Stahlberg.

Sie wurde am 6. Januar 1921 als Tochter des Bürgermeisters in Morbach bei Bernkastel-Kues geboren und katholisch erzogen, studierte in Heidelberg, Freiburg und München Zeitungswissenschaft und Kunstgeschichte und promovierte im März 1945 in Heidelberg. Im Oktober 1945 zog Ingeborg Stahlberg nach Karlsruhe, wo sie eine Stelle als Lektorin beim Badischen Buchverlag antrat.

Mit dem im März 1946 von ihr gegründeten Stahlberg Verlag wollte die wertkonservative Verlegerin „die bleibenden, unzerstörten und unzerstörbaren Werte“ wieder ins Bewusstsein bringen, um damit insbesondere der Jugend eine Neuorientierung nach dem „Dritten Reich“ zu bieten. So publizierte sie in den ersten Jahren zumeist Werke des 19. Jahrhunderts, ergänzt um Werke junger Schriftsteller in der Reihe „Ruf der Jugend“.

1950 wurde zum Wendejahr für den Verlag. Zwei Teilhaber stiegen ein, Ingeborg Stahlberg wurde Geschäftsführerin und der Schwerpunkt der Verlagsarbeit verschob sich hin zu zeitgenössischen Autoren. Die im Stahlberg Verlag veröffentlichten realistischen Kriegsschilderungen von Curzio Malaparte oder die Werke Arno Schmidts fanden bundesweit Beachtung. 1963 gründete Ingeborg Stahlberg einen zweiten Verlag, den Amadis Verlag, der sich auf Prosa aus Frankreich spezialisierte.

Aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten gingen 1967 wesentliche Anteile der Verlage an den Deutschen Bücherbund - Holtzbrinck über, Ingeborg Stahlberg blieb jedoch Leiterin bis zum endgültigen Ende des Verlags 1971. Sieben Jahre später erhielt sie für ihre verlegerischen Tätigkeiten das Bundesverdienstkreuz am Bande. Nach dem Ende des Verlags arbeitete sie bis zu ihrem Ruhestand 1979 als Programmdirektorin für den Deutschen Bücherbund. In den folgenden Jahren, in denen sie in Durlach lebte, führten sie kunsthistorische Reisen durch Europa. Ingeborg Stahlberg starb am 22. Dezember 1985 in Karlsruhe. -vs-

 
 

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